Nach der Vermittlung von Grundlagen und Theorieansätzen sowie Begriffen und Methoden stand eine spannende Exkursion in das politische Berlin auf dem Programm. Als ein Highlight der Veranstaltungsreihe von Prof. Dr. Hansjoachim Mauch tauschten die Studenten den Hörsaal gegen einen Sitzungssaal im Bundeskanzleramt.
Mitarbeiter des Begleitdienstes führten die Teilnehmer in das architektonisch imposante Gebäude durch den Haupteingang, der sonst Staatsgästen vorbehalten ist. Gastgeber Oberst Karl Schlich, Leiter der Pressebetreuung, informierte in einem sehr aufschlussreichen und persönlichen Gespräch über Organisation und Arbeitsalltag in der Schaltzentrale der Bundesregierung. Ein wichtiges Projekt der Kanzlerin blieb nicht unerwähnt: Seit 2011 versucht Frau Dr. Angela Merkel gemeinsam mit 120 Experten Antworten auf drei zentrale Fragen unserer Gesellschaft zu finden. „Wie wollen wir zusammenleben? Wovon wollen wir leben? Wie wollen wir lernen?“ Im Februar 2012 startete das Kanzleramt ein politisches Experiment. Über ein Internetportal konnten Bürger ihre Ideen einbringen. Schlich diskutierte mit den Besuchern der TH Wildau Ergebnisse dieses Bürgerdialogs. Der erfahrene Stabsoffizier hob dabei neben den Chancen, welche das Internet für die Öffentlichkeitsarbeit und Bürgerbeteiligung bietet, auch die mit diesem Medium verbundenen Risiken hervor. Die Bandbreite der Themen erstreckte sich von der Außen- und Umweltpolitik bis zur Währungsunion. Schlich ermutigte die Studenten, während des Studiums und im späteren Berufsleben Leistung zu zeigen und Chancen zu nutzen.
Anschließend führte Ursula Winter durch das von den Berliner Architekten Axel Schultes und Charlotte Frank geplante Gebäude. In der „Sky-Lobby“ im sechsten Obergeschoss bot sich den Teilnehmern ein exzellenter Blick über das Regierungsviertel. Das nächste Ziel war der große Kabinettsaal. Die historische Tischuhr von Altbundeskanzler Konrad Adenauer, die sonst den Bundesministern bei Sitzungen die Zeit anzeigt, machte auf das baldige Ende der Besichtigung aufmerksam. Vorbei an den Portraits der ehemaligen Bundeskanzler ging es weiter in Richtung Pressebereich. Fußballfans erfuhren, dass sich im fast drei Hektar großen Garten neben Hubschrauberlandeplätzen auch ein Quadratmeter des „heiligen Rasens“ aus dem Wankdorfstadion in Bern befindet. 1954 hatte die deutsche Nationalmannschaft auf diesem Rasen in einem fulminanten Endspiel gegen Ungarn mit 3:2 gewonnen und war zum ersten Mal Fußballweltmeister geworden.
Im benachbarten „Haus der Kulturen der Welt“, den Berlinern besser bekannt als „Schwangere Auster“, diskutierten die Seminarteilnehmer bei Kaffee und Kuchen über Impressionen und gewonnene Einsichten. Das schlechte Wetter hatte keinen Einfluss auf die gute Stimmung, das Seminar hatte sich in Theorie und Praxis als Bereicherung erwiesen.