Familiengerechte Hochschule

 

Familie und Hochschule

 

 

Das Thema »Familie und Hochschule« hat in den letzten Jahren an Bedeutung gewonnen. Vor dem Hintergrund eines veränderten bundesdeutschen Hochschul- und Wissenschaftssystems (Umstellung auf neue Studienabschlüsse, Forderung und Förderung von Exzellenz, leistungsorientierte Mittelvergabe etc.) sowie demografischer Wandlungen (Geburtenrückgang und Alterung)  ist es zu einem nationalen wie internationalen Wettbewerb um »kluge Köpfe« gekommen. Familienfreundlichkeit wird dabei zu einem  Faktor,  der bei der Wahl einer Hochschule oft ausschlaggebenden Charakter gewinnt.

 

 

Individuelle Orientierung auf Arbeit und Leben, Beruf und Familie

 

Auch gewandelte Lebensentwürfe tragen zu dieser Entwicklung mit bei. Das gilt insbesondere für Frauen, für die die synchrone Verbindung von Beruf und Familie, Kinder und Karriere selbstverständlich ist (dies bestätigte auch die  »Brigitte«-Studie »Frauen auf den Sprung« sowie deren mittlerweile vorliegendes Update).

 

Aber auch Männer fühlen sich zunehmend für Kinderbetreuung und Vaterschaft verantwortlich. Die Struktur und Organisation der wissenschaftlichen Institutionen hinken dem allerdings oftmals noch hinterher. So bedeutet Mutterschaft oftmals noch einen Bruch in der wissenschaftlichen Karriere, und Männern, die als Väter in Elternzeit gehen wollen, wird vielfach auch im Wissenschaftsbereich mit Unverständnis begegnet. Hier ist neben dem strukturellen und organisatorischen auch ein kultureller Wandel erforderlich.

 

 

Studentische Orientierungen

 

Gewandelte Orientierungen lassen sich auch bei den gegenwärtig Studierenden feststellen. Nach einer aktuellen Umfrage der HIS Hochschul-Informations-System GmbH werden Familie und Partnerschaft für Studierende wichtiger, während berufliche Ziele nicht mehr ganz so wichtig wie bei früheren Umfragen erachtet werden (vgl. HISBUS-Kurzinformation Nr. 20).

 

Heutige Studierende sehen beides in ihren Lebensentwürfen vor - Familie und Karriere. So streben nach Angaben des Deutschen Studentenwerks studierende Frauen und Männer am Beginn ihres Studiums zu ca. 80 Prozent sowohl eine qualifizierte Berufstätigkeit als auch eine Familiengründung an.  Dieser Anteil nimmt dann allerdings im Verlauf des Studiums sukzessive ab.  Am Ende des Studiums vertreten bis zu 40 Prozent diese Meinung nicht mehr. Dementsprechend haben nur ca. 5 % der Studierenden im Erststudium Kinder (vgl. Studieren mit Kind. Ergebnisse der 18. Sozialerhebung des DSW. Bonn, Berlin 2008). Davon halten nur 60 % Studium und Kind für prinzipiell vereinbar und würden - vor die Entscheidung gestellt - wieder mit Kind studieren.

 

 

Probleme der Vereinbarkeit

 

Dennoch verläuft das Studium der Studierenden mit Kind weniger reibungslos: Es dauert länger und wird häufiger unterbrochen, und mehr als die Hälfte der studentischen Eltern ist nebenher erwerbstätig. Nur die Hälfte der Studierenden mit Kind hat einen Platz in einer Betreuungseinrichtung, und sehr häufig kommt es zu Konflikten zwischen Studienanforderungen und Betreuungsbedarf des Kindes. Dies gilt insbesondere bei Lehrveranstaltungen am Abend oder am Wochenende.

 

 

Handlungsbedarfe

 

Aus den genannten Problemen leitet sich der Handlungsbedarf für Politik, Hochschulen und Studentenwerke ab. Es gilt, vor allem

 

  • mehr campusnahe und flexible Kinderbetreuungsmöglichkeiten anzubieten,
  • eine flexiblere Studien- und Prüfungsorganisation zu gewährleisten,
  • mehr Beratung zur Vereinbarkeit zu Studium und Familie zu leisten,
  • eine bessere Studienfinanzierung zu ermöglichen.