Abstracts
Blick in den Raum des Bibliothekssymposiums

Abstracts

Podiumsdiskussion: Frauke Schade, Marion Mattekat, Hans-Christoph Hobohm und Frank Seeliger: Kann man lernen, innovativ zu sein?

Bibliotheken definieren sich nicht allein an ihren Beständen, sie partizipieren am Informations- und Veranstaltungsmarkt, bringen sich aktiv mit neuen Services ein. Die Informationseinrichtung von heute muss kreativ und innovativ aufgestellt sein, um ihre Relevanz für die Gesellschaft als öffentliche Einrichtung zu unterstreichen. Folgt man der Feststellung, dass alles mit den Menschen steht und fällt, ergibt sich die Frage: Mit welchen sozialen, technischen und weiteren Kompetenzen müssen Bibliotheksmitarbeiter, spartenübergreifend, ausgestattet sein, angefangen bei der Ausbildung bis zur beruflichen Umgebung, um diese Erwartung nicht nur nach der Ausbildung und Studium zu erfüllen, sondern über Jahre hinaus sich offen für Neues einzusetzen. Die Podiumsdiskussion soll den spartenübergreifenden Bedarf auf der einen Seite und Ausbildungsziele auf der anderen reflektieren.
 

Vorträge

Natalie Barkei

Von analogen Inseln zu smarten Lernorten – Schulische und außerschulische Bildungseinrichtungen in der digitalen Welt

Ein selbstbestimmtes Leben und Arbeiten in der digitalen Welt erfordert einen kompetenten Umgang mit digitalen Technologien. Digitalisierung als Querschnittsthema erfordert daher eine breit angelegte digitale Grundbildung, um eine digitale Spaltung – im beruflichen wie im privaten Bereich – zu verhindern. Digitale Bildung langfristig zu garantieren, muss daher gemeinsames Interesse von Politik, Wirtschaft und Gesellschaft sein. Der Erwerb digitaler Kompetenz – im Sinne eines kompetenten Umgangs mit digitalen Medien und des Aufbaus einer grundständigen IT-Kompetenz – muss integraler Bestandteil heutiger Bildungsziele werden und vor dem Hintergrund des lebensbegleitenden Lernens in allen Organisationen verankert sein. Der Grundstein hierfür wird in der Schule gelegt.

Obwohl digitale Bildung spätestens seit dem angekündigten Digitalpakt der Bundesregierung in aller Munde ist, wird sie noch nicht in ausreichendem Maße umgesetzt. Unsere Schulen sind heute nach wie vor analoge Inseln in einer ansonsten digitalisierten Welt. Die Herausforderungen sind groß: Um Bildungseinrichtungen in das digitale Zeitalter zu überführen, fehlt es an einer zeitgemäßen Infrastruktur mit digitalen Endgeräten und Breitbandanschlüssen, an umfassender Lehrerfortbildung und vor allem an tragfähigen pädagogischen Konzepten.

Doch die zeitgemäße Bildung junger Menschen ist nicht mehr in alleiniger Verantwortung der Eltern und der Lehrerinnen und Lehrer, sondern ist eine gesamtgesellschaftliche Aufgabe, der sich zunehmend auch Akteure aus der Wirtschaft, Verbände, Stiftungen, Bibliotheken und andere Institutionen stellen (müssen). Die Vernetzung verschiedener schulischer und außerschulischer Partner birgt dabei große Potentiale und eröffnet neue Perspektiven, nicht zuletzt durch den erhöhten Praxisbezug. Neue Interaktionsformen fördern ein effizientes sowie individuelles Lernen und neue Bildungsformate schaffen neue Lernanreize. Insbesondere bei der digitalen Bildung können außerschulische Lernorte mit Learning Labs oder Coding-Workshops einen Beitrag dazu leisten, die Bildungslücke zu füllen, die derzeit in Deutschlands Schulen vorherrscht.

Digitale Bildung beinhaltet darüber hinaus ebenso die Weiterbildung als integralen Bestandteil lebenslangen Lernens. Der Wissens- und Ausbildungsbedarf durch alle Generationen hinweg wird bedingt durch schnellere Innovations- und kurze Produktzyklen immer größer. Daher sind digitale Bildung und lebensbegleitendes Lernen zwei Seiten derselben Medaille, die zusammengehören. Den Bibliotheken kann dabei als offener Lernort, der allen Generationen und Bevölkerungsgruppen zugänglich ist, eine besondere Bedeutung zukommen.

 

Anke Domscheit-Berg

Anke Domscheit-Berg (MdB, Fraktion DIE LINKE.): Digitale Bildungsstrategie - ein Thema für Bibliotheken?

Die Möglichkeiten, die Bibliotheken für die digitale Bildung bieten, sind groß. Auch weil sie schon lange ein Ort sind, an dem Menschen aller Altersklassen, mit allen Bildungshintergründen und aus allen sozialen Schichten Zugang zu Informationen und Wissen bekommen. Bibliotheken sind Orte, an denen gelernt, recherchiert und ausprobiert wird. Und das schon lange nicht mehr nur aus Büchern, sondern vor allem auch mit Computern.
Sie wären daher auch ideale Orte, an denen junge Menschen gemeinsam Kompetenzen erlernen könnten, die bei der Orientierung in der digitalen Wissensgesellschaft helfen und es ihnen ermöglichen, sie auch selbst mitzugestalten.
Als Zugangsorte zum Wissen der Welt, sollte man dort z.B. auch lernen können, wie man dieses Wissen erschließt und wie man Informationen, die man irgendwo im Internet findet, einordnet, verifiziert und ihre Quellen bewertet. Nicht nur auf Facebook stimmt nicht alles, was pseudofaktisch verbreitet wird, auch auf Wikipedia finden sich unvollständige, einseitige und sogar falsche Informationen. Das Erkennen von Fakenews, das Prüfen von Informationen, bevor sie in sozialen Netzen verbreitet oder in Hausarbeiten verwendet werden, wird immer wichtiger.
Digital Natives verfügen über hervorragende Bedienkompetenzen, die aber häufig mit Medienkompetenz verwechselt werden. Schulen bilden dazu nicht ausreichend aus, so dass es auch auf außerschulische Bildungsangebote ankommt, für die Bibliotheken gute und vertrauenswürdige Anbieter sein können.
Mädchen und Jungen gleichermaßen an Zukunftsthemen, Technik und Naturwissenschaften heranzuführen, ist dabei eine Voraussetzung, die leider noch nicht von allen Bibliotheken erfüllt wird. Wenn unsere Gesellschaft jedoch immer mehr von Technik geprägt ist, ist es nicht egal, wer solche Entwicklung prägt und wer davon ausgeschlossen ist. Spielzeugabteilungen bestehen schon aus erschreckend eindeutig nach Geschlecht segregierten Bereichen, die Jungen u Mädchen unterschiedliche Kompetenzen zuschreiben, Bibliotheken sollten jedoch frei davon sein u ein Gegengewicht bilden.
Viele Kompetenzen in digitaler Bildung lassen sich außerdem nicht (nur) theoretisch, sondern vor allem praktisch erwerben. Bibliotheken können auch dabei neue Wege gehen und z.B. nicht nur Maker Hefte und Anwendungsliteratur zur Ausleihe anbieten, sondern auch dazu passende Klassensätze mit Calliope Mini Micro Controllern ausleihen, die schon ab 3. Klasse vielseitig und interdisziplinär einsetzbar sind und einen niedrigschwelligen spielerischen Zugang zu Technik, Elektronik und das Programmieren ermöglichen. Kooperationen mit lokalen Makerspaces bieten dabei weitere Chancen für neue Bildungsmethoden.
Leider gibt es in Deutschland immer noch keine digitale Bildungsstrategie. Die große Koalition hat zwar für diese Legislaturperiode den DigitalPakt Schule angekündigt, das Geld, das dafür vorgesehen ist, reicht aber bei Weitem nicht für die Entwicklung zeitgemäßer Bildungsinhalte, die Aus- und Weiterbildung von Lehrkräften oder die IT Ausstattung von Schulen. Vermutlich reichen die Mittel gerade einmal für WLAN an Schulen. Es fehlt jedoch vor allem ein konkreter Plan. Auch ein zeitgemäßes Urheberrecht ist notwendig, um den Zugang zu elektronischem Wissen zu Bildungszwecken nicht künstlich zu beschränken. Die Politik hat noch einiges zu tun.

Foto zeigt Janine Bressler
© Janine Bressler

Janine Bressler (TH Wildau): SmartHome und Künstliche Intelligenz im Schülerlabor be”greifen” - ein Praxisbeispiel

Smart Home (SH) und Künstliche Intelligenz (KI) sind zwei sehr aktuelle und wichtige technische Bereiche, die auch im Studiengang Telematik an der Technischen Hochschule in Wildau eine wichtige Rolle einnehmen. Deshalb sollten nicht nur Studierende, sondern im Zeitalter der Digitalisierung, auch der Nachwuchs so früh wie möglich an diese Technologien herangeführt werden. Wie kann man also Schülerinnen und Schülern das Verständnis für die Techniken Smart Home und Künstliche Intelligenz möglichst praxisnah vermitteln?

An der Technischen Hochschule in Wildau gibt es das sogenannte RoboticLab, welches auf die Zukunftsarbeit des Ingenieurstudiengangs Telematik abzielt. Schüler der Sekundarstufe 2 können hier in Form von Laboren erste Eindrücke in die Welt der Telematik erhalten und ihr Geschick im Umgang mit Robotern und der Programmierung dieser unter Beweis stellen. Im Rahmen dieses Schülerlabors wurde ein Lernbaukasten entwickelt, in denen den Schülerinnen und Schülern die beiden Techniken Smart Home und Künstliche Intelligenz von der Theorie bis hin zur Praxis vermittelt werden. Einen praktischen Einblick gibt es auf dem Wildauer Bibliothekssymposium.

Foto von Romy Hilbrich
© Romy Hilbrich

Romy Hilbrich (Staatsbibliothek zu Berlin – Preußischer Kulturbesitz): Organisationsinnovation oder Legitimationsfassade? Überlegungen zum Nutzen und zu Grenzen bibliothekarischer Nutzerforschung

‚Weg von der Bestandsorientierung, hin zur Serviceorientierung!‘ – so wird eine schon seit längerem währende programmatische Neuausrichtung von Bibliotheken beschrieben, von der man sich nichts weniger erhofft als die Existenzsicherung unter Bedingungen von Rationalisierung, Digitalisierung und gestiegenem Legitimationsdruck. Während sich diese Neuausrichtung bereits punktuell in den Aktivitätsstrukturen von Bibliotheken niedergeschlagen hat (z.B. in Gestalt von Nutzerbefragungen), sind in formalstruktureller Hinsicht nur wenige Veränderungen zu beobachten. Insbesondere die bibliothekarische Nutzerforschung, die Antworten auf die Frage: ‚Welche Nutzer*innen benötigen welche Angebote?‘ liefern soll, ist in den Stellenstrukturen des deutschen Bibliothekswesens bislang weitgehend unsichtbar geblieben, entsprechende Aktivitäten werden von anderen Stellen bislang quasi „miterledigt“.

Für die proklamierte Ausrichtung des bibliothekarischen Leistungsangebots entlang der Bedarfe und Kompetenzen der Nutzer*innen (und Nicht-Nutzer*innen) ist die Einrichtung spezialisierter Stellen für Nutzerforschung eine interessante Organisationsinnovation, die im Vortrag am Beispiel der Staatsbibliothek zu Berlin vorgestellt wird. Hier wurde in diesem Jahr in der Benutzungsabteilung die Stabsstelle Nutzerforschung und Bibliotheksstatistik eingerichtet. Im Vortrag werden die Funktionen der Stelle innerhalb der Bibliothek skizziert, das Arbeitsprogramm der Stelle präsentiert und Thesen zu Nutzen und Grenzen bibliothekarischer Nutzerforschung abgeleitet.

Manfred Hild

Manfred Hild (Beuth Hochschule): Warum braucht Humanoide Robotik einen eigenen Studiengang?

Die klassische Ingenieursausbildung schult (oft implizit) gewisse Prinzipien wie beispielsweise "Teile-und-Herrsche", "EVA (Eingabe-Verarbeitung-Ausgabe)" die für kommerzielle/industrielle Entwicklungen vorteilhaft sind, weil damit die Wiederverwendung bereits existierender (Teil-)Lösungen möglich wird. Das spart Geld und kostbare Entwicklungszeit.

Biologische Systeme funktionieren aber völlig anders. Hier ist nichts rückwirkungsfrei, sondern vieles selbstreferenziell und durch komplexe Wechselwirkungen bestimmt. Trotzdem (oder gerade deswegen) sind biologische Systeme aber oft viel robuster als technische, von Ingenieurinnen und Ingenieuren erschaffene Systeme.

Will man sich mit der Entwicklung humanoider Roboter in Richtung robuster, intelligenter Systeme bewegen, ist es vorteilhaft so früh wie möglich neuartige Denk- und Vorgehensweise zu schulen, die den kreativen Köpfen von morgen es ermöglicht Prinzipien biologischer Systeme zu verstehen und ähnliche Prinzipien selbst zu finden. Beispiele wie das gelingen kann werden im Vortrag illustriert.

Foto von Karsten Kauffmann
© Karsten Kauffmann

Karsten Kauffmann (DPMA-IDZ Berlin): Dem Deutschen Patent- und Markenamt hinter die innovativen wie transparenten Kulissen geschaut

Bibliotheken kennen ihre Berührungspunkte mit Archiven, Museen, Schulen etc., aber mit dem Deutschen Patent- und Markenamt (DPMA)? Patentprüfer sind Experten wie Fachreferenten, sie arbeiten global vernetzt, mit einer verbindlichen Klassifikation und können mit den freigestellten Beschreibungen (Offenlegungs- bzw. Patentschrift) als Volltexte Recherchen durchführen, von denen wir vor der vollständigen Umsetzung von Open Access noch ein gutes Stück entfernt sind. Und ihre Relevanz nicht nur im Rahmen des gewerblichen Schutzes ist, dass technisches Know-how zum Großteil nicht in der wissenschaftlichen Literatur zu finden ist, sondern in Patentpublikationen. Laut einem Hinweis von FIZ-Karlsruhe schätzen Experten, dass 70 bis 90 Prozent des gesamten veröffentlichten technischen Wissens ausschließlich in Patentpublikationen dokumentiert ist. Wenn das kein Grund ist, sich einmal näher kennenzulernen!

Bild zeigt Amanda Klingner
© Amanda Klingner

Amanda Klingner & Tina Lüthe (beide TH Wildau): Vom Lesehund zum Leseroboter - ein Werkstattbericht

Für das Konzept eines Leseroboters gewann die Wildauer Stadtbibliothek in Kooperation mit der TH Wildau im letzten Jahr den Berlin-brandenburgischen Innovationspreis für Bibliotheken. Mit dem Preisgeld wird seit Jahresbeginn an der Umsetzung des Konzeptes als Prototyp über die Marke NAO als handlich, humanoiden Roboter gearbeitet. Mittels Programmierarbeiten und Schnittstellen soll der durch Softbanks Robotics ausgelieferte NAO Personen namentlich wiedererkennen, Grundschulkindern beim Vorlesen zuhören und Hinweise auf individuelle Leistungen geben. Auch die inhaltliche Kontrolle des lesenden Verstehens soll ermöglicht werden. Bis Jahresende läuft dieses Projekt, auf dem Symposium wird ein erstes Fazit gezogen

Olga Kunkel

Olga Kunkel (Mittelstand 4.0-Kompetenzzentrum IT-Wirtschaft): DSGVO als Hemmschuh für Innovationen oder Chance, Gewohntes neu zu sehen?

Die DSGVO gibt Rahmenbedingungen vor, welche bei technischen Lösungen immer dann bedacht werden müssen, wenn das Produkt einhergeht mit der Verarbeitung personenbezogener Daten (Erhebung von Nutzerdaten, Nutzungsstatistiken, Erkennungsverfahren etc.). Kennt man sie, können sie eine Chance sein, noch enger als bislang, mit dem Kunden zu arbeiten.

Foto von Alexander Muehle
© Alexander Muehle

Alexander Mühle (SecureIdentityLab Hasso Plattner Institut): Blockchain als Option für Bibliotheken?

Blockchain Technologie ist eines der am meisten diskutierten Themen der letzten Jahre.
Die Technologie hat sich über die Jahre, ausgehend von der Kryptowährung Bitcoin, weiter entwickelt.
Insbesondere das Konzept von Smart Contracts hat hierbei viel Aufmerksamkeit gefunden.
In diesem Vortrag werden wir Ihnen die Grundlagen der Blockchain Technologie sowie des Smart Contract Konzepts näher bringen.
Vorallem werden Anwendungsmöglichkeiten von Smart Contracts im Zusammenhang mit Bibliotheksverwaltung beleuchtet.
Besonders die Verwaltung von Digitalen Medien und deren Lizenzen werden in diesem Vortrag behandelt.
Da momentane Verträge zwischen Verlagen und Bibliotheken hauptsächlich aus Preismodellen bestehen welche nicht das tatsächliche Verbrauchsverhalten wiederspiegeln,
sehen wir hier einen Ansatzpunkt für Smart Contracts um eine genauere Abrechnung zu ermöglichen. Dabei spielt die dezentrale Umsetzung des DRM Systems eine Schlüsselrolle.

Matthias Razum
© Matthias Razum

Matthias Razum (FIZ Karlsruhe): Vom Projekt zum Produkt - Betriebsmodelle im akademischen Umfeld am Beispiel von RADAR

Für die meisten Projektanträge sind Aussagen zur Nachhaltigkeit der Projektergebnisse gefordert. Wie kann man solche Abschnitte, über die übliche Antragslyrik hinaus, substantiieren? Überlegungen zu Zielgruppen, geforderte Dienstqualität, eingesetzte Technologien und operationale Prozesse führen zu Kostenstrukturen, aus denen sich mögliche Betriebsmodelle ableiten lassen. Der Vortrag geht auf diese Aspekte am Beispiel des durch die DFG geförderten Projekts RADAR, einem Forschungsdatenrepositorium als Dienstleistung für Dritte, ein. Dabei kommen auch rechtliche Fragestellungen und Vermarktungsstrategien bei der Produkteinführung zur Sprache.  

Matthias Rudolph

Matthias Rudolph (Trainer der Frauenmannschaft von Turbine Potsdam und Gymnasiallehrer): Teamarbeit im Mannschaftssport - eine Parallelwelt oder mit Parallelen zum beruflichen Alltag?

Der Leistungsbezug kann im professionellen Umfeld des runden Leders nicht grösser sein, gleichfalls gilt es, aus vielen Individualisten eine Mannschaft zu formen, die an jedem Spielwochenende ihren "Mann" stehen. Ein geschlossenes Team zu formen bedeutet im Sport nicht nur, verschiedene Leistungsanreize wirken zu lassen (Spielaufstellung, Rollenverteilung, Nationalmannschaft, monetäre), sondern sich viel Zeit mit jeder Spielerin zu nehmen, Dialoge ehrlich und offen zu führen, Entwicklungslinien wie Alternativen aufzuzeigen. Es gilt auszugleichen zwischen individuellen Erwartungen und Mannschaftszielen. Steht im Vordergrund die persönliche Arbeit mit jeder Spielerin, liegt die Frage auf der Hand, ob man aus dem Sportbereich Methoden und Herangehensweisen für Teamarbeit z.B. in Informationseinrichtungen übernehmen kann.

Foto zeigt Rainer Schuhknecht
© Rainer Schuhknecht

Rainer Schuhknecht (HTW Dresden): Innovationszyklen einer Bibliothek am Beispiel der HTW Dresden auf dem Prüfstand

Laut Kierkegard kann das Leben nur in der Schau nach rückwärts verstanden, aber nur in der Schau nach vorwärts gelebt werden. Diese Einsicht soll Anlass geben, die maßgeblichen IT-Entwicklungen an der HTW Dresden und seiner Vorgängereinrichtung, die ich in all den Berufsjahren und nahezu drei Dezennien kennenlernen und begleiten durfte, in der Rückschau kritisch zu reflektieren und als Erfahrungsschatz in die Zukunft projezieren und mitwirken zu lassen. Der gleiche Blick soll auf die thematische Entwicklung des Wildauer Bibliothekssymposiums angewandt werden.

Foto zeigt Dieter Seeger
© Dieter Seeger

Dieter Seeger (Verband deutscher Circusunternehmen): Wettbewerbsverhalten von Circussen und Bibliotheken im Vergleich

Ungefähr 300 Zirkusse gibt es in Deutschland, davon knapp fünfzig im VDCU organisiert sind. Ähnlich bei Informationseinrichtungen sich google, Wikipedia und weitere Informationsdienstleister in den beiden zurückliegenden Dezennien dazugesellten, sind die Freizeitangebote für Kinder und Jugendlliche, aber auch Erwachsene, als Zielgruppe von Zirkussen, ins schier Endlose gewachsen. Ob mit Blick auf die Manege oder in den Lesesaal, mit welchen Angeboten erhält man sich seinen Markt, welche ähnlichen oder unterschiedlichen Strategien fahren beide Institutionen, um den Eigenwert und die gesellschaftliche Relevanz herauszustellen, z.B. mit dem "Live" erleben des Ortes und der besonderen Atmosphäre des Momentes. Das soll weiter im Gespräch mit dem Vereinsvorsitzenden deutscher Circusunternehmen und Conférencier des Symposiums herausgefunden werden.
 

Foto von Ricardo Usbeck
© Ricardo Usbeck

Ricardo Usbeck (Universität Paderborn): Von Textwüsten zu Forschungsdateninfrastrukturen mit Text Mining

Viele Archive, Bibliotheken und Labore horten einen Wissensschatz, welcher großes Potential für zukünftige Entwicklungen birgt. Dieser sollte nach außen bekannt und für die Benutzer effektiv und effizient durchsuchbar sein.

Zur Auswertung und Nutzbarmachung von Textwüsten dienen Text-Mining-Programme. Diese versetzen einfache Nutzer und Experten in die Lage unübersichtliche, unstrukturierte Datenmenge entweder gezielter zu durchsuchen oder versteckte Zusammenhänge sichtbar zu machen. Dieser Wissensentdeckungsprozess bildet einen Grundpfeiler moderner Forschungsinfrastrukturen.

Um eine Text-Mining-Pipeline aufzubauen muss man sich u.a. mit Information Extraction, Summary Generation, Argumentationen Mining, Suchmaschinen und Recommender-Systemen beschäftigen und dann für jeden dieser Schritte das richtige Tool auswählen. Diese Werkzeugkette kann dann genutzt werden, um beispielsweise neue Zusammenhänge zwischen großen Mengen an Medikamenten und Therapien zu finden, Verknüpfungen zwischen Schauspielern und ihren Auftrittsorten zu ermitteln oder um zusammenfassende Auswertungen riesiger Forschungsdatenrepositorien in sekundenschnelle zu erstellen.

Die Data Science Gruppe der Universität Paderborn stellt dazu einige Tools vor und wird dabei auch auf den Nutzen für zukünftige Forschungsdateninfrastrukturen und sogenannte Open Research Knowledge Graphs eingehen.

Workshops

Carolin Rau (TH Wildau) & Pia Ludwig (TU München): BibLabs, InfoLabs & Co.: Schülerlabore in Bibliotheken?

Stammkunden / Stammkundinnen von Informationseinrichtungen sind Gymnasialschüler und -schülerinnen, nicht nur als Klientel von morgen, sondern auch, um Grundzüge wissenschaftlichen Arbeitens vermittelt zu bekommen. Vorhandene technische Labore in Wildau laden zu naturwissenschaftlichen bis technischen Experimenten ein, bei denen man spielerisch Erkenntnisse gewinnen soll. Lässt sich ein solcher außerschulischer Lernbereich an Bibliotheken umsetzen, dieser Frage wird im Workshop nachgegangen.
Ziel des Workshops ist eine Ideenfindung zur Umsetzung von Schülerlaboren im Kontext der Vermittlung von Informationskompetenz in Bibliotheken. Einen ersten Überblick über Schülerlabore erhalten Sie auf der Website des Bundesverbands der Schülerlabore e.V. unter https://www.lernortlabor.de/home.html. Lesenswert mit Hinblick auf IK in Schulen ist auch der Deutsche Bildungsserver unter https://www.bildungsserver.de/Informationskompetenz-in-Schulen-6055-de.html.

Foto zeigt Henning Wiechers
© Henning Wiechers

Alter Wein in neuen Schläuchen - mit welchen inhaltlichen Bezügen können Bibliotheken anlässlich von Jubiläen als zeitgemässe Offerte punkten?

Regelmässig stehen Bibliotheken als Einrichtung und mit ihren Teams vor der Herausforderung, anlässlich von Jubiläen zu Künstlern, Literaten, Ereignissen etc. ihren Beitrag zum festlichen Rahmen anschaulich beizutragen. In solchen Rahmen wurden neben klassichen Ausstellungen, Foren und Lesungen auch die technische Avantgarde wie App-Entwicklungen bemüht. Aber will man nicht nur historische Texte und Karten hör- und sichtbar einbetten, was gibt es dann noch an Möglichkeiten, um dem Spruch gerecht zu werden, den sich Theater als Grundsatz gegeben haben: tua res agitur (Deine Sache wird hier verhandelt). Wie gelingt - vielleicht auch - das spielerische Intergrieren und neugierig Machen der jugendlichen Zielgruppe auf Old-School Inhalte? In Brandenburg steht im kommenden Jahr der 200. Geburtstag Theodor Fontanes an. Was seitens der rbb-App vorliegt, was für den hiesigen Landkreis als technische Basis für das fontane200-Jubiläum entwickelt werden soll, liefert den Ausgangspunkt des Workshops. Erarbeitet werden sollen inhaltsbezogene Anwendungsfälle und Szenarien am Beispiel dieses oder anderer Anlässe, um den technischen Gerüsten Leben einzuhauchen.