Auftakt zum artINN Pilotseminar: Arts-Based Learning im Wissens- und Changemanagement
„Play is how children learn.
Art is how adults play.“
Bette A. & Brian Eno
Zum Auftakt der Vorlesungszeit im Sommersemester 2026 hat auch das Pilotseminar von artINN begonnen. Im Rahmen des Projekts wird von der Forschungsgruppe Innovations- und Regionalforschung untersucht und erprobt, inwieweit sich Methoden des „Arts-Based Learnings“ (= der gezielte Einsatz künstlerischer Praktiken, Prozesse und Erfahrungen als didaktische Werkzeuge zur Förderung des Lernens in fachfremden Disziplinen) für das Management-Studium eignen. Im Pilotmodul „Wissens- und Changemanagement“ von Prof. Dr. Dana Mietzner lernen die Erstsemester-Studierenden des berufsbegleitenden Masterprogramms „Public Administration Management“ neben den klassischen Fachmethoden wie Stakeholder-Mapping und Einflussanalyse auch Arts-Based Learning (ABL) und andere Kreativmethoden kennen. Ziel ist es, die komplexen Veränderungsprozesse, die im öffentlichen Sektor vorherrschen, für die Studierenden zugänglicher und verständlicher zu machen – aktivierend, reflektiert und nah an der beruflichen Praxis.
Warum ABL im Managementstudium?
Die Forschungsgruppe blickt bereits auf viele Jahre umfangreicher und erfolgreicher Erfahrung mit Kreativmethoden sowohl in Lehr-/Lernsettings als auch in Workshop-Szenarien zurück. Im Projekt artINN soll es nun darum gehen, diese Methoden im Sinne des Arts-Based Learnings weiter auszudefinieren und noch systematischer in Lehrveranstaltungen zu integrieren. ABL nutzt niedrigschwellige, künstlerische Prozesse wie Metaphernarbeit, Collage, Storytelling oder Photo Voice (fotobasierte Reflexion), um Wahrnehmung zu schärfen, Perspektiven zu öffnen und Kommunikation zu unterstützen. Dementsprechend wird im Pilotmodul untersucht, wie ABL die Wissensaneignung im Bereich Wissens- und Changemanagement unterstützt, wo es an Grenzen stößt und welche spezifischen Formate Reflexion, Kollaboration und Transfer befördern. artINN geht dabei von folgenden Arbeitshypothesen aus:
- ABL beschleunigt und verbessert den Erwerb und Erhalt von wirtschaftswissenschaftlichem Fachwissen
- ABL erleichtert den Zugang zu komplexen, schwierigen oder unbequemen Themen wie Transformation und Wandel
- ABL „macht Spaß“ und steigert somit die studentische Aktivierung und Kooperationsqualität in Lehrveranstaltungen
- ABL eröffnet neue Möglichkeiten, den studentischen Lernprozess „KI-resistenter“ zu machen
Aber auch potentielle Berührungsängste gegenüber „Kunst“ werden ernst genommen: im Fokus des Seminars steht immer der Lernprozess, nicht die Qualität oder künstlerische Bewertung des Endprodukts. Darüber hinaus dienen die ABL-Methoden nie als Selbstzweck, sondern werden stets produktiv in den fachlichen Kontext der Lehrveranstaltung eingebettet und dort genutzt, wo sie Potentiale für neu- oder andersartige Erkenntnisse versprechen.
Aufbau des Pilotmoduls, Methodenbeispiele und „KI-Resistenz“
Das berufsbegleitende Pilotmodul kombiniert drei ganztägige Präsenzphasen mit längeren asynchronen Distanzphasen. In Präsenz werden zentrale Konzepte des Wissens- und Changemanagements sowie ABL-Impulse eingeführt und gemeinsam erprobt; in den Distanzphasen bearbeiten die Studierenden praxisnahe Aufgaben, die sie auf die nächste Präsenzveranstaltung vorbereiten und deren Ergebnisse inhaltlich die weitere Gestaltung des Kurses mitbestimmen. Entlang dieses Wechsels aus Erfahren, Strukturieren, Anwenden und Verdichten untersuchen wir, welche ABL-Elemente den Wissensaufbau wirklich tragen und wo klassische Managementtools überlegen sind.
Der individuelle Zuschnitt der Aufgaben, ihr Präsenzbezug und die Ankopplung an reale Organisationsherausforderungen machen reine KI-Generierung in der Lehrveranstaltung wenig sinnvoll; der Lerngewinn liegt im eigenen Tun der Studierenden und im kollektiven Deuten der entstandenen Produkte. Zugleich reflektieren wir im Seminar auch immer wieder den Einsatz von KI als Werkzeug: Wo hilft sie bei Recherche und Struktur, wo ersetzt sie nicht die individuelle Lernerfahrung?
Evaluation und Ausblick
Die bisherige Datenlage zu ABL ist derzeit noch relativ dünn und überwiegend qualitativ; die Messbarkeit von Wirkungen bleibt eine offene Frage. Deshalb dokumentieren wir kontinuierlich Beobachtungen im Seminar, führen eine Lehrevaluation sowie qualitative Einzelinterviews mit Studierenden durch und planen ein Follow-Up mit den Teilnehmenden im Folgejahr zu Wissenserhalt und Methodenerleben. Aus den Ergebnissen leiten wir ab, welche ABL-Elemente in weiteren Lehrveranstaltungen und anderen Studiengängen an der TH Wildau sinnvoll skaliert werden könnten und wo Einschränkungen zu beachten sind.
Das Projekt artINN wird im Rahmen der Ausschreibung „Freiraum 2025“ von der Stiftung für Innovation in der Hochschullehre gefördert. Mehr Informationen zu „artINN“ finden Sie auf der Projektseite: https://www.th-wildau.de/forschung-und-transfer/forschung/forschungsschwerpunkte/forschungsschwerpunkt-nachhaltige-werteschoepfung/innovations-und-regionalforschung/projekte/artinn