Circular Design im Makerspace – von der Idee zum nachhaltigen Prototyp
Was, wenn ein Prototyp immer wieder verwendet werden kann?
Was, wenn die Verpackung eines Produkts einen weiteren Zweck erfüllt?
Was, wenn wir den Lebenszyklus eines Produkts nicht linear, sondern als Kreislauf denken?
Dann sind wir beim Circular Design. Kreislaufwirtschaft bedeutet, Materialien nicht einfach zu verbrauchen, sondern sie durch Reparatur, Recycling, Aufarbeitung und neue Nutzungskonzepte möglichst lange im Umlauf zu halten. Ziel ist es, Ressourcen zu schonen und Abfälle zu vermeiden.
Soweit die Theorie – doch wie lässt sich dieser Gedanke im Makerspace umsetzen und welche Herausforderungen gibt es?
Laut dem Europäischen Parlament werden über 80 % der Umweltauswirkungen eines Produkts bereits in der Designphase festgelegt. Grund genug, genau dort anzusetzen: Wie lässt sich der Prototyping-Prozess nachhaltiger gestalten, und wie kann ein Produkt so entwickelt werden, dass es möglichst lange genutzt werden kann?
Der nachhaltige Prototyp
Ein Prototyp ist ein Entwurf, ein erster greifbarer Schritt auf dem Weg zum fertigen Produkt. Je nach Projekt und Entwicklungsstand unterscheiden sich die Ansätze, doch das Ziel bleibt gleich: Ideen frühzeitig testen und bewerten.
Im Makerspace bietet sich dank modernen Rapid-Prototyping-Verfahren wie 3D-Druck, Lasercutten oder Textilverarbeitung eine ideale Umgebung, um neue Konzepte umzusetzen – und dabei gleichzeitig ressourcenschonend zu denken.
Hier sind sechs Handlungsempfehlungen, wie nachhaltiges Prototyping gelingen kann:
1. Wähle dein Material bewusst
Nutze Materialien, die leicht zu trennen und wiederverwendbar sind – etwa Holz, Karton oder recyceltes PLA statt Verbundstoffe. Achte darauf, dass sie nach der Nutzung sortenrein entsorgt oder weiterverarbeitet werden können.
2. Plane modular
Ein modularer Aufbau ermöglicht es, Einzelteile jederzeit auszutauschen oder in neuen Projekten wiederzuverwenden. Statt Klebstoff zu nutzen, bieten sich Schrauben, Steckverbindungen oder Klemmen an.
3. Von der Skizze zum CAD-Modell
Arbeite mit Skizzen und CAD-Programmen, um erste Entwürfe zu erstellen und das Zusammenspiel von Komponenten zu testen. So vermeidest du Materialverschwendung und sparst Zeit bei späteren Anpassungen.
4. Perfektion ist kein Muss
Ein Prototyp soll eine Idee erlebbar machen – kein Endprodukt sein. Nutze einfache Materialien wie Karton oder MDF statt Kunststoff oder Metall und verzichte zunächst auf dekorative Elemente oder Gravuren.
5. Integriere Reparaturfreundlichkeit
Plane Verbindungen so, dass sie zugänglich bleiben und beschädigte Teile leicht ersetzt werden können. Ein eingeklebter Akku etwa führt unweigerlich dazu, dass ein ganzes Gerät entsorgt bzw. ausgetauscht werden muss.
6. Denke voraus
Überlege bereits während der Entwicklung, wie dein Produkt nach der Testphase demontiert, recycelt oder weiterverwendet werden kann. Auch das Endprodukt selbst sollte auf Wiederverwendung oder Recyclingfähigkeit hin konzipiert werden.
Temporäre Prototypen – nachhaltig denken, bevor Material fließt
Nachhaltiges Prototyping bedeutet nicht zwingend, sofort zu Lasercutter oder 3D-Drucker zu greifen. Oft reicht es, Ideen zunächst in provisorischer oder wiederverwendbarer Form zu visualisieren.
Gerade in frühen Entwicklungsphasen können Knete, Karton oder Klemmbausteine wertvolle Werkzeuge sein. Sie ermöglichen es, Formen, Größenverhältnisse und Abläufe zu testen, ohne dauerhaft Material zu verbrauchen.
Der große Vorteil: Diese Materialien lassen sich immer wieder einsetzen – sie fördern Kreativität, reduzieren Abfall und helfen, schnell unterschiedliche Varianten auszuprobieren.
Knete kann, solange sie nicht austrocknet, mehrfach verwendet werden. Klemmbausteine eignen sich hervorragend, um modulare Strukturen oder szenariobasiertes Prototyping zu simulieren – und sie sind in Sekundenschnelle wieder zerlegt und neu zusammengesetzt.
Solche temporären Modelle helfen dabei, Designideen greifbar zu machen, bevor überhaupt ein physischer Prototyp gefertigt wird. Sie stehen exemplarisch für die Haltung des Circular Design: bewusst, ressourcenschonend und flexibel zu gestalten.
Der Makerspace als Testlabor für Circular Design
Wo, wenn nicht im Makerspace, lässt sich der Gedanke der Kreislaufwirtschaft besser erleben? Durch die Vielzahl an Maschinen und Materialien sowie das technische Know-How und die interdisziplinäre Zusammenarbeit entsteht ein Raum zum Ausprobieren und Lernen. Hier treffen vielfältige Menschen, Ideen und Kompetenzen aufeinander:
Von Besucher:innen, die zum ersten Mal einen 3D-Drucker live erleben, bis zu erfahrenen Maker:innen, die Ersatzteile für alte Geräte konstruieren oder eigene Produktideen realisieren.
Diese Vielfalt eröffnet enorme Chancen – aber auch Herausforderungen.
Wie lässt sich Kreativität mit nachhaltigem Handeln verbinden? Inwieweit kann 3D-Druck mit Kunststoff überhaupt ökologisch sinnvoll sein? Und wann wird der Gedanke an Wiederverwertung vielleicht selbst zum Hindernis für freie Gestaltung?
Circular Design bedeutet nicht, in jedem Projekt alle Aspekte perfekt umzusetzen. Vielmehr geht es darum, bewusst Entscheidungen zu treffen.
Ein Prototyp aus recyceltem Material, der nach einmaliger Nutzung im Müll landet, ist weniger nachhaltig als ein mehrfach verwendetes Objekt aus konventionellem Material. Nachhaltiges Design beginnt also beim Reflektieren der eigenen Entscheidungen und beim Hinterfragen von Gewohnheiten im Entwurfsprozess.
Fazit
Circular Design zielt darauf, Produkten durch bewusste Designentscheidungen, geeignete Materialwahl und Reparatur- oder Recyclingfähigkeit ein längeres Leben zu geben.
Auch im Makerspace kann dieser Gedanke praktisch umgesetzt werden: als Experimentierfeld, als Lernort und als Labor für nachhaltige Innovation.
Mit den sechs Handlungsempfehlungen wird aus einer Idee ein verantwortungsvoller Prototyp – und aus jedem Projekt ein kleiner Schritt hin zu einer ressourcenschonenderen Zukunft.
Weiterführende Informationen zu unserem Makerspace:
Informationen zum ViNN:Lab der TH Wildau: https://www.th-wildau.de/vinnlab
Zum Blog des ViNN:Lab: https://vinnlab.de
Informationen zur Forschungsgruppe Innovations- und Regionalforschung der TH Wildau: https://www.th-wildau.de/forschung-transfer/innovations-und-regionalforschung/