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Übersicht über didaktische Szenarien von Online-Prüfungen

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Didaktische Hinweise zur Erstellung von Fernprüfungen und Open-Book-Klausuren

Die Durchführung von Tests in elektronischer Form erfordert teilweise eine andere Formulierung der Fragen oder Aufgabenstellungen. Dies gilt in besonderem Maße für Prüfungen, die aufgrund der momentanen Situation zuhause durchgeführt werden.

In jedem Fall sollten die Studierenden vor der Prüfung die Möglichkeit erhalten, sich mit dem E-Prüfungssystem vertraut zu machen, z. B. anhand einer Probeklausur. Der E-Assessment-Service stellt für Prüfungen mit der E-Assessment-Software "Questionmark Perception®" eine fachunabhängige Dummy-Probeklausur (oberstes Akkordeon) zur Verfügung.

 

Eine Anmerkung vorweg: Im Folgenden werden vereinfachende Beispiele gezeigt, um die einzelnen Hinweise zu veranschaulichen und verschiedene Probleme auf eingängige Weise deutlich zu machen. Einfache Beispiele sind oft Fragen nach Faktenwissen, die für Prüfungen nicht geeignet sind. Werden die angesprochenen Probleme vermieden, kann die Qualität der Fragen verbessert werden.

Weitere, eher handwerkliche Empfehlungen für die Erstellung von elektronischen Fragen finden Sie hier.

 

Grundsätzliche Empfehlungen für Fernprüfungen

  • Wird die Prüfung nicht an der Hochschule abgelegt, sind Nachfragen während der Prüfung nur schwer möglich. Achten Sie daher auf Folgendes:
    • Alle Hinweise, die zum richtigen Beantworten der Frage nötig sind (z. B. auf wie viele Nachkommastellen soll gerundet werden, wird nach Groß- und Kleinschreibung unterschieden), werden in der Aufgabe angegeben. Beispiel
    • Es werden normalerweise keine Negativfragen verwendet. Falls dies doch sinnvoll ist, wird die Verneinung optisch kenntlich gemacht. Beispiel
    • Die Gestaltung der Frage darf nicht vom eigentlichen Inhalt ablenken bzw. die Beantwortung unnötig erschweren. Irrelevante Informationen werden nur gegeben, wenn dies für die Frage didaktisch sinnvoll ist. Beispiel Ablenkung, Beispiel irrelevante Informationen
    • Vorsicht mit Abkürzungen.
    • Bei numerischen Fragen ist es sinnvoll, eine möglicherweise vorhandene Einheit oder ein Prozentzeichen in der Frage hinter dem Lösungskästchen anzugeben. Die Erfahrung hat gezeigt, dass die Studierenden sonst vielfach unsicher sind, ob sie die Einheit mit eintragen sollen oder nicht. Beispiel
    • Fügen Sie den Fragen ein Kommentarfeld an, damit die Studierenden mögliche Probleme oder Mehrdeutigkeiten in den Fragen während der Prüfung notieren können.
  • Berücksichtigen Sie bei der Übertragung Ihrer Klausur ins Online-Format die Möglichkeiten der Software. Häufig können Papieraufgaben gar nicht oder nicht gut eins zu eins übertragen werden. Beispiel

 

Empfehlungen für Fernprüfungen zum Verhindern von Täuschungen

  • Verweisen Sie auf die Rahmenordnung:
    • § 23 (1) Versucht die/der Kandidat/in das Ergebnis ihrer/seiner Prüfungsleistungen durch Täuschung oder Benutzung nicht zugelassener Hilfsmittel zu beeinflussen, wird die betreffende Prüfungsleistung mit „nicht ausreichend” (5,0) bzw. „ohne Erfolg“ bewertet.
    • § 23 (2) Wird die Tatsache einer Täuschung im Nachhinein bekannt, so wird nachträglich der studienbegleitende Leistungsnachweis oder die Prüfung als nicht bestanden gewertet.
    • § 23 (3) Bei zweimaligem Täuschungsversuch erlischt der Prüfungsanspruch für den gesamten
      jeweiligen Studiengang.
  • Setzen Sie die Zeit für die Beantwortung der Fragen eher knapp an. Je mehr Zeit die Studierenden "übrig" haben, nachdem sie die eigene Klausur fertig beantwortet haben, desto höher ist ggf. die Neigung zu täuschen. Berücksichtigen Sie die Zeitknappheit dann bei der Bewertung der Klausur.
  • Vermeiden Sie in der Aufgabenstellung Schlagwörter, die auf die Lösung bzw. den Lösungsansatz hinweisen können. Beispiel
  • Gestalten Sie numerische Aufgaben so, dass die Ergebnisse eher ungewöhnlich sind. Damit lassen sich Täuschungen zwar nicht verhindern, aber zumindest im Nachhinein leichter erkennen. 
  • Gestalten Sie Aufgabenvarianten mit nur minimalen Unterschieden. Auch damit lassen sich Täuschungen zwar nicht verhindern, aber zumindest im Nachhinein leichter erkennen. Beispiel
  • Prüfen Sie Antworten - bei Verdacht - mithilfe einer Plagiatserkennungssoftware. Wenden Sie sich hierfür an das Bibliotheksteam.
  • Kombinieren Sie verschiedene Prüfungsformen und -zeitpunkte. Dies erschwert es den Studierenden, während der Prüfung Hilfe in Anspruch zu nehmen. Außerdem kann z. B. bei der Kombination von schriftlichen Arbeiten mit mündlichen Abgabegesprächen anhand kurzer Fragen gut erkannt werden, ob die schriftliche Arbeit in Eigenleistung bearbeitet wurde.
    Voraussetzung: Die Modulbeschreibung lässt die Kombination mehrerer Prüfungsteile zu oder es liegt eine Genehmigung vom Prüfungsausschuss vor.
  • Wenn möglich: Individualisieren Sie Aufgaben. Beispiel
  • Bei Prüfungen mit "Questionmark Perception®": Wählen Sie die Fragen zufällig aus (Fragenpool nötig). Dies ist aber nur zulässig, wenn die Fragen vom Schwierigkeitsgrad her gleichwertig sind. Vorsicht: Andernfalls kann die Prüfung rechtlich angefochten werden! Beispiel
  • Bei Prüfungen mit "Questionmark Perception®": Wenn möglich, erlauben Sie eine zufällige Reihenfolge der Fragen. Dabei muss darauf geachtet werden, dass die Fragen nicht voneinander abhängen bzw. eine bestimmte Reihenfolge erfordern.
  • Gestalten Sie Ihre Prüfung als Open-Book-Klausur (siehe nächster Abschnitt).

 

Empfehlungen für Open-Book-Klausuren

Unter Open-Book-Klausuren (auch Koffer-Klausuren) werden Prüfungen verstanden, bei denen Materialien wie Bücher, Vorlesungsskripte und Aufzeichnungen des Prüflings in der Prüfungssituation zugelassen sind. Bei Remote-Prüfungen können Prüflinge zusätzlich zur Nutzung physischer Unterlagen im Internet recherchieren. Damit die Lösungen zu den gestellten Aufgaben nicht einfach in den Unterlagen gefunden werden können, muss es hierbei überwiegend um das Prüfen von Synthese- bzw. Transferleistungen gehen, z. B. um die Anwendung des Gelernten auf einen bestimmten Fall, schlüssige Argumentationsketten zu bestimmten Sachverhalten, ... Die erfolgreiche Bearbeitung solcher Aufgaben impliziert das Vorhandensein von Fakten- und Methodenwissen.
Das Abschreiben von Folien- oder Lehrbuchinhalten bringt keine Punkte

 

Folgende Ideen können bei der Formulierung von Aufgaben für Open-Book-Klausuren helfen:

  • Kleiden Sie Ihre Fragen in authentische, fach- bzw. berufstypische Szenarien, sodass sie einen Anwendungsbezug aufweisen. Ggf. können komplexe Szenarien in mehrere, aufeinander aufbauende Fragen gegliedert werden. Beispiel 1, Beispiel 2
  • Variieren Sie in diesem Szenario die Rahmenbedingungen. Beispiel
  • Formulieren Sie offene Fragen präzise und explizieren Sie dabei sämtliche Annahmen, sodass die Frage keinen unerwünschten Spielraum bei der Beantwortung lässt. Beispiel
  • Wenn das Internet ohnehin genutzt werden kann, können Recherchefragen in die Prüfung integriert werden. Beispiel
  • Wählen Sie Fragestellungen, die neben der Darstellung von Fakten, Theorien oder Gesetzesnormen eine Analyse, einen Vergleich bzw. eine Bewertung durch die Studierenden beinhalten. Nachschlagen und Recherchieren hilft Studierenden aufgrund der begrenzten Zeit in der Klausur wenig, wenn die Antworten nicht eins zu eins im Internet auffindbar sind. Beispiel
  • Lassen Sie Studierende in der Prüfung zu in der Lehrveranstaltung behandelten Materialien eine spezielle Perspektive einnehmen. Beispiel
  • Lassen Sie noch unbekannte (wissenschaftliche) Texte bearbeiten/analysieren. Beispiel
    Fragen dazu können lauten:
    • Welche Methode wird im Text beschrieben?
    • Ist die im Text beschriebene Methode im Beispiel korrekt angewendet worden?
    • Ist die hier getroffene Aussage unter den Rahmenbedingungen ... korrekt?
  • Auch das Mitliefern von auszuwertenden Materialien wie Statistiken, Grafiken oder Zeitschriftenaufsätzen verhindert, dass Antworten einfach gegoogelt werden können. Beispiel
  • Wenn Sie Statistiken, Grafiken und Ähnliches verwenden, übernehmen Sie diese nicht eins zu eins aus dem Internet oder Ihren Vorlesungsunterlagen. Um das Wiedererkennen zu erschweren, ist es sinnvoll, Farben zu ändern, x- und y-Achse zu tauschen, einen anderen Titel zu verwenden, … Prüfen Sie, ob Sie Texte aus dem Skript für die Klausur in Grafiken übertragen können und umgekehrt.
  • Statt der klassischen Aufgabenstellung „Frage ist gegeben, Antwort ist gesucht“ können Sie gezeigte Antworten zu einer Frage beurteilen lassen. Beispiel1, Beispiel 2
    Typische Fragen dazu können sein:
    • Ist die Antwort korrekt?
    • Ist der Lösungsansatz adäquat?
    • Bei welchem Prozessschritt wurde ein Fehler gemacht?
  • Lassen Sie die Studierenden eine gegebene Aussage beurteilen und dazu eine Erklärung bzw. ein Gegenbeispiel angeben. 
  • Wenn Sie Definitionen abfragen wollen, ist es sinnvoll, nicht den Begriff zu geben und nach der Definition zu fragen, sondern die Definition zu geben und nach dem Begriff, der so definiert wird, zu fragen. Alternativ können Sie sich zu einem gegebenen Begriff Beispiele nennen lassen oder Beispiele nennen und den Begriff erfragen. Beispiel 1, Beispiel 2
  • Zum Schluss: "Testen" Sie Ihre Frage, indem Sie sie selbst googeln. Findet man im Internet sofort die Antwort?
    Prüfen Sie bei Berechnungsaufgaben, ob die Aufgaben mithilfe eines Computer-Algebra-Systems direkt gelöst werden können (ggf. sogar mit Rechenweg).

 

Zur Bewertung von Aufgaben in Open-Book-Klausuren

Da die Aufgaben in Open-Book-Klausuren eine größere Bandbreite an Antworten zulassen als Fragen nach Fakten, sollten die Bewertungskriterien bereits bei der Erstellung der Aufgaben mitgedacht werden, um eine objektive Bepunktung der Antworten zu gewährleisten. Im Sinne des Constructive Alignment sollte zudem überlegt werden, ob die Bewertungskriterien den Studierenden vorab zur Verfügung gestellt werden, um Transparenz über die Anforderungen herzustellen. 
Eine Möglichkeit ist ein schriftliches Bewertungsraster wie die "Orientierungshilfe als Bewertungsschlüssel bei der Bewertung schriftlicher Arbeiten" (siehe www.th-wildau.de/im-studium/studienorganisation-a-z/formulare-und-antraege/ --> Akkordeon "Bachelor- und Masterarbeiten"). Ggf. ist es sinnvoll, die Bewertungskategorien weiter auszudifferenzieren. Beispielsweise könnten in der Orientierungshilfe bei den "Quellenangaben" (maximal 4 Punkte) folgende Unterkriterien definiert werden:

  • 1 Punkt: vollständige Quellenangaben im Text (zu allen Zitaten sind Quellen angegeben)
  • 1 Punkt: formal korrekte Darstellung der Quellen (Kurzbeleg oder Fußnote)
  • 1 Punkt: vollständiges und korrektes Literaturverzeichnis
  • 1 Punkt: Auswahl zitierfähiger und zitierwürdiger Quellen

Auch Mindeststandards wie "Ohne Quellenangaben wird die Arbeit nicht akzeptiert." können in den Bewertungskriterien festgelegt werden.

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