Mobilität im globalen Fokus: Studierende der TH Wildau in Peking
Im März tauchten vier Studierende des Studiengangs Verkehrssystemtechnik unserer Hochschule in eine Welt voller technologischer Kontraste und kultureller Vielfalt ein. Gemeinsam mit Prof. Christian Liebchen führte sie ein einwöchiger Blockkurs nach Peking, wo der akademische Austausch an der Beijing Jiaotong University (BJTU) auf eindrucksvolle Sightseeing-Highlights traf. +++ English version below +++
Zwischen Hochgeschwindigkeitszügen und Weltkulturerbe
Die Reise begann mit einem Ausflug, der die verkehrstechnische Expertise der Gruppe direkt forderte: Eine Fahrt mit dem Hochgeschwindigkeitszug führte die Studierenden von der Hauptstadt direkt zur Chinesischen Mauer. Besonders beeindruckend war dabei der Weg über den weltweit tiefsten Hochgeschwindigkeitsbahnhof, von dem aus es per Seilbahn auf die historischen Befestigungsanlagen ging. Die ersten Tage boten zudem Zeit für kulinarische Selbstversuche, bei denen der Umgang mit Stäbchen auch ohne vorherige Erfahrung erstaunlich gut gelang.
Akademischer Austausch und internationale Vernetzung
Im Zentrum der Reise stand die Zusammenarbeit mit der Beijing Jiaotong University. In gemeinsamen Lehrveranstaltungen bearbeiteten die Wildauer Studierenden gemeinsam mit ihren chinesischen Kommiliton*innen komplexe Fragestellungen moderner Verkehrsplanung. Ein zentrales Thema war dabei die Synchronisierung von U-Bahn-Fahrplänen – ein Bereich, der in einer Megacity wie Peking von essenzieller Bedeutung ist.
Über die ersten Erlebnisse im Hörsaal berichteten die Studierenden:
„Montag und Dienstag waren unsere ersten ‚Uni-Tage‘ mit Vorlesung bei Prof. Liebchen. Mit uns im Saal waren ungefähr 25 Studierende der Beijing Jiaotong University. Dank Prof. Liebchens Aufgabenstellung neben der Vorlesung kamen wir schnell in Kontakt mit den chinesischen Studierenden. Am Nachmittag beider Tage bestand das Programm aus Sightseeing und Kultur. Nach dem kulturellen Input am Lama-Tempel folgte ein Ausflug mit Blick auf die imposante Skyline von Beijing.“
Kulturprogramm: Von der Verbotenen Stadt bis zur Peking-Ente
Neben den fachlichen Inhalten bot das Programm Raum, die historischen und modernen Facetten Pekings zu erkunden. Vom ausnahmsweise nahezu menschenleeren Tian’anmen-Platz über die Verbotene Stadt bis hin zum Jingshan-Park mit Blick über die Stadt erlebte die Gruppe die beeindruckenden Dimensionen der chinesischen Hauptstadt.
„Der vorlesungsfreie Mittwoch war unser ‚Kulturtag‘. Zuerst besuchten wir den nahezu leeren Tianmen Square. Anschließend ging es mit einem Tourguide in die ‚Forbidden City‘ bzw. das Palace Museum. Besonders gefallen hat uns hier der Garten des einzigen freiwillig abgedankten Kaisers der Qing-Dynastie. Abschließend gingen wir dann in den nördlich der verbotenen Stadt gelegenen Jingshan-Park, der mit seinem Kohlehügel eine tolle Aussicht bot. Der Tag endete mit einem gemeinsamen Essen mit Vertreter*innen der BJTU, unter anderem mit dem Vize-Dekan für Internationalisierung der School of Traffic and Transportation, und einem traditionellen Gericht: Peking-Ente.“
Fachliche Vertiefung zum Abschluss
Die letzten Tage der Reise standen ganz im Zeichen der Projektarbeit. In gemischten Teams wurden die Rahmenbedingungen für Taktfahrplanoptimierung von ausgewählten Umsteigebahnhöfen analysiert und präsentiert.
„Am vorletzten Tag stellten wir uns gemeinsam mit unseren chinesischen Kommiliton*innen insgesamt zehn U-Bahn-Stationen aus Berlin und Beijing gegenseitig vor. Dabei gab es bemerkenswerte Unterschiede zu entdecken, in Beijing beispielsweise „Einbahnstraßen“ für umsteigende Fahrgäste. Im Anschluss an die Vorlesungen hatten wir nochmal etwas Kulturprogramm, darunter die Besichtigung des Beijing Zoos mit Aquarium, des Himmelstempels, des Beihai-Parks und des Fernsehturms.“
Mit einer Fülle an neuen Eindrücken, fachlichem Input zur Hochgeschwindigkeitsinfrastruktur und neuen internationalen Kontakten kehrten die Studierenden nach Wildau zurück. Die Exkursion verdeutlicht einmal mehr, wie wichtig der Blick über den Tellerrand für die Mobilitätslösungen von morgen ist.
Im Interview: Prof. Christian Liebchen und Simon Dähnick, Student der VSTBereich öffnenBereich schließen
Die vier Wildauer Studenten haben zusammen mit chinesischen Studierenden Umsteigebahnhöfe in den U-Bahnnetzen von Beijing und Berlin im Hinblick auf die Belange einer Fahrplanoptimierung untersucht. Wie haben Sie die Dynamik in dieser internationalen Gruppe erlebt und welche fachlichen Impulse konnten beide Seiten voneinander mitnehmen?
Christian Liebchen: „Es war sehr schön zu beobachten, dass eine solche Gruppenarbeit als 'Icebreaker' fungiert hat. Über die gemeinsame Bearbeitung und Präsentation im Seminarraum hinaus wurde sich teilweise auch außerhalb der Unterrichtszeiten verabredet. Fachlich sind bezüglich Längen von Fußwegen beim Umsteigen und Taktzeiten mitunter große strukturelle Unterschiede offenkundig geworden.“
China gilt als Vorreiter bei der Hochgeschwindigkeitsinfrastruktur. Welcher technische Aspekt – zum Beispiel beim Besuch des weltweit tiefsten Hochgeschwindigkeitsbahnhofs – hat Ihre Studierenden am meisten ins Staunen versetzt?
Simon Dähnick: „Besonders beeindruckend war natürlich der Hochgeschwindigkeitsbahnhof. Dieser wurde über 100 Meter tief mitten in den Berg gebaut. Auch die großzügig gestalteten Zu- und Abgänge zu den Bahnsteigen waren der Nachfrage entsprechend größer gestaltet, als was wir in Deutschland kennen. Interessant war ebenfalls der Straßenverkehr. Das betraf einerseits das hohe Verkehrsaufkommen sowie andererseits auch eine etwas andere Verkehrsorganisation. Erwähnenswert ist darüber hinaus der hohe Anteil an Elektrofahrzeugen im Straßenverkehr. Ohne das Hupen wäre es sogar noch leiser auf den Straßen gewesen.“
Peking ist ein Labor für Mobilität in gigantischem Maßstab. Welche Erkenntnisse aus der dortigen Verkehrsplanung lassen sich Ihrer Meinung nach (vielleicht in kleinerem Rahmen) auch auf die Herausforderungen in unserer Region oder in Deutschland übertragen?
Christian Liebchen: „Als ich vor nicht einmal acht Jahren die ersten beiden Male in Beijing war, war der Autoverkehr bereits sehr stark, damals noch mit überwiegendem Verbrenneranteil, und Smog als prägendem Eindruck, wenngleich möglicherweise zufällig witterungsbedingt begünstigt. Heutzutage sind elektrische Antriebe klar im Vorteil, und während meiner letzten drei Aufenthalte war Smog nie ein Thema. Hier hat offenbar eine konsequente Weichenstellung gewirkt, welche ich mir zuletzt auch in Deutschland stärker gewünscht hätte. Daneben ist aber auch das U-Bahnnetz mit mehr als 900 Kilometern sehr gut ausgebaut. Bei Taktzeiten von vielerorts nur zwei Minuten bietet es attraktive Reisezeiten und ist in der Kombination mit langen Zügen wirklich ein Hochleistungsnetz.“
Neben den Vorlesungen gab es viel Raum für Kultur, von der Verbotenen Stadt bis zum gemeinsamen Essen. Warum ist dieser kulturelle Austausch für die Ausbildung angehender Ingenieur*innen heute über die reine Fachlehre hinaus ebenfalls wichtig?
Christian Liebchen: „Da gibt es viele Dimensionen. Über persönliche Horizonterweiterung und Völkerverständigung hinaus wächst bekanntlich auch die Weltwirtschaft immer weiter zusammen. Speziell China hat sich in den vergangenen Jahrzehnten zu einer gerade in den Verkehrswissenschaften sehr wichtigen Nation entwickelt. Über mögliche beratende Projekttätigkeiten dort hinaus wird beispielsweise auch die in diesem Jahr wieder stattfindende Messe INNOTRANS wieder eindrucksvoll zeigen, dass chinesische Unternehmen im europäischen Verkehrsmarkt immer größere Aktivitäten entwickeln. Auch auf der interkulturellen Ebene bereits eigene Erfahrungen gesammelt zu haben, kann insofern für unsere Studierenden auch künftige berufliche Tätigkeitsfelder eröffnen.“
Wenn Sie auf die Woche in Peking zurückblicken: Welcher Moment hat Ihnen am deutlichsten gezeigt, dass solche internationalen Exkursionen Ihren Horizont nachhaltig erweitern?
Simon Dähnick: „Nicht zuletzt durch den Alltag und durch die in Gruppen mit chinesischen Studierenden bearbeitete Aufgabe ist uns aufgefallen, wie unterschiedlich ähnliche Verkehrssysteme im Detail in anderen Ländern sein können. Beispielsweise sind die Bahnsteigkanten in Beijing durch eine Glaswand geschützt, was in Berlin so nicht der Fall ist. Vielen Dank an alle Personen, die an der Organisation des Blockkurses in China und unserer dortigen Teilnahmemöglichkeit mitgewirkt haben, sowohl in Wildau als auch in Beijing.“
Mobility in the global spotlight: Students from TH Wildau in BeijingBereich öffnenBereich schließen
In March, four students from our university’s Transportation System Engineering degree programme immersed themselves in a world of technological contrasts and cultural diversity. Accompanied by Prof. Christian Liebchen, a one-week intensive course took them to Beijing, where academic exchange at Beijing Jiaotong University (BJTU) was combined with impressive sightseeing highlights.
Between high-speed trains and World Heritage sites
The trip began with an excursion that immediately put the group’s transport engineering expertise to the test: a journey by high-speed train took the students from the capital straight to the Great Wall of China. Particularly impressive was the journey through the world’s deepest high-speed railway station, from where a cable car took them up to the historic fortifications. The first few days also offered time for culinary experiments, during which the students managed to use chopsticks surprisingly well even without any prior experience.
Academic exchange and international networking
The focus of the trip was on collaboration with Beijing Jiaotong University. In joint courses, the Wildau students worked alongside their Chinese peers on complex issues in modern transport planning. A key topic was the synchronisation of underground timetables – an area of vital importance in a megacity such as Beijing.
The students reported on their first experiences in the lecture theatre:
“Monday and Tuesday were our first ‘university days’ with a lecture by Prof. Liebchen. There were around 25 students from Beijing Jiaotong University in the lecture theatre with us. Thanks to the tasks set by Prof. Liebchen alongside the lecture, we quickly established contact with the Chinese students. On both afternoons, the programme consisted of sightseeing and cultural activities. Following the cultural visit to the Lama Temple, we went on an excursion to take in the view of Beijing’s impressive skyline.”
Cultural programme: From the Forbidden City to Peking duck
Alongside the academic content, the programme offered opportunities to explore the historical and modern facets of Beijing. From Tiananmen Square – which, for once, was almost deserted – to the Forbidden City and Jingshan Park with its view over the city, the group experienced the impressive scale of the Chinese capital.
“The lecture-free Wednesday was our ‘culture day’. First, we visited the almost empty Tiananmen Square. We then went with a tour guide to the ‘Forbidden City’ or the Palace Museum. We particularly enjoyed the garden of the only emperor of the Qing Dynasty to have voluntarily abdicated. Finally, we went to Jingshan Park, located north of the Forbidden City, which offered a fantastic view from its coal hill. The day ended with a meal together with representatives from BJTU, including the Vice-Dean for Internationalisation of the School of Traffic and Transportation, and a traditional dish: Peking duck.”
In-depth technical study for the degree
The final days of the trip were entirely devoted to project work. In mixed teams, the framework conditions for optimising the timetable at selected interchange stations were analysed and presented.
“On the penultimate day, together with our Chinese fellow students, we presented a total of ten underground stations from Berlin and Beijing to one another. There were some remarkable differences to discover; in Beijing, for example, ‘one-way streets’ for passengers changing trains. Following the lectures, there was another cultural programme, including a visit to the Beijing Zoo with its aquarium, the Temple of Heaven, Beihai Park and the TV Tower.”
The students returned to Wildau with a wealth of new impressions, specialist insights into high-speed infrastructure and new international contacts. The excursion once again highlights how important it is to think outside the box when it comes to the mobility solutions of tomorrow.
In this interview: Prof. Christian Liebchen and Simon Dähnick, a student at VSTBereich öffnenBereich schließen
The four students from Wildau, together with Chinese students, examined interchange stations in the Beijing and Berlin underground networks with a view to optimising timetables. How did you find the dynamics within this international group, and what professional insights were both sides able to gain from one another?
Christian Liebchen: “It was wonderful to see that this kind of group work acted as an ‘ice-breaker’. Beyond working together and presenting in the seminar room, some of them even arranged to meet outside of class hours. From a technical perspective, significant structural differences became apparent regarding the lengths of walking routes when changing trains and service frequencies.”
China is regarded as a pioneer in high-speed infrastructure. Which technical aspect – for example, during the visit to the world’s deepest high-speed railway station – amazed your students the most?
Simon Dähnick: “The high-speed railway station was, of course, particularly impressive. It was built over 100 metres deep inside the mountain. The generously proportioned access routes to and from the platforms were also designed to be larger than what we are used to in Germany, in line with demand. Road traffic was also interesting. This concerned, on the one hand, the high volume of traffic and, on the other, a slightly different approach to traffic management. Also worth mentioning is the high proportion of electric vehicles on the roads. Without the honking, it would have been even quieter on the streets.”
Beijing is a laboratory for mobility on a gigantic scale. In your opinion, which insights from the transport planning there can be applied (perhaps on a smaller scale) to the challenges in our region or in Germany?
Christian Liebchen: “When I visited Beijing for the first two times less than eight years ago, car traffic was already very heavy – back then still predominantly powered by combustion engines – and smog was the defining impression, albeit possibly coincidentally exacerbated by weather conditions. These days, electric powertrains clearly have the upper hand, and during my last three visits, smog was never an issue. A consistent policy shift has clearly had an effect here, which I would have liked to see more of in Germany recently. In addition, however, the underground network is very well developed, covering more than 900 kilometres. With services running every two minutes in many places, it offers attractive journey times and, in combination with long trains, is truly a high-performance network.”
Alongside the lectures, there was plenty of scope for culture, from the Forbidden City to shared meals. Why is this cultural exchange also important for the training of future engineers today, beyond mere technical instruction?
Christian Liebchen: “There are many dimensions to this. Beyond broadening personal horizons and fostering international understanding, the global economy is, as we know, becoming increasingly interconnected. China, in particular, has developed over the past decades into a nation of great importance, especially in the field of transport sciences. Beyond potential consultancy projects there, the INNOTRANS trade fair, which is taking place again this year, will once more impressively demonstrate that Chinese companies are becoming increasingly active in the European transport market. Having already gained their own experiences at an intercultural level can, in this respect, also open up future career opportunities for our students.”
Looking back on the week in Beijing: which moment most clearly showed you that such international excursions broaden your horizons in the long term?
Simon Dähnick: “Not least through our daily routine and the tasks we worked on in groups with Chinese students, we noticed how different similar transport systems can be in detail in other countries. For example, the platform edges in Beijing are protected by a glass wall, which is not the case in Berlin. Many thanks to everyone who helped organise the block course in China and made our participation there possible, both in Wildau and in Beijing.”
Fachliche Ansprechperson
Prof. Dr. rer. nat. Christian Liebchen
Fachbereich Ingenieur- und Naturwissenschaften
Professor für Verkehrsbetriebsführung und Studiengangsprecher Verkehrssystemtechnik
Tel.: +49 3375 508 755
Mail: christian.liebchen@th-wildau.de
Haus 16, Raum 1090
Sprechstunde: außerhalb der Vorlesungs- und Prüfungszeit nach Vereinbarung;
Publikationen bei DBLP:
https://dblp.org/pid/l/CLiebchen.html
Publikationen seit 2016:
https://thonline.th-wildau.de/qisserver/a/fs.res.frontend/pub/searchresult?pageTitle=fs.res.publication.search.data&tableTitle=fs.res.publication.search.found&extended=true&configFile=fs%2Fres%2FsearchPublication.xml&groups0.label=I18nValue.basicData&groups0.criteria0.field=CONCAT2(Publication.creators.firstname,%27%20%27,Publication.creators.creatorname)&groups0.criteria0.value=Liebchen
Kompetenzspektrum Forschung und Transfer:
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Redaktionelle Ansprechperson
Sebastian Stoye
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