43. Kolloquium: Resilienz als neues Infrastruktur-Paradigma? Governance-Herausforderungen der Elektrifizierung im Straßengüterverkehr
Wie lässt sich der Straßengüterverkehr klimafreundlicher gestalten und gleichzeitig seine Versorgungssicherheit gewährleisten?
Mit dieser Frage beschäftigte sich das 43. Verkehrswissenschaftliche Kolloquium am 14. Oktober 2026 an der Technischen Hochschule Wildau. Die Veranstaltung fand in Kooperation mit der Westsächsischen Hochschule Zwickau in hybrider Form mit Teilnehmenden vor Ort und online statt.
Michael Lüken, der unter anderem am Potsdam-Institut für Klimafolgenforschung tätig war und sich mit der Ökonomie des Klimawandels beschäftigt, referierte zum Thema „Resilienz als neues Infrastruktur-Paradigma? Governance-Herausforderungen der Elektrifizierung im Straßengüterverkehr“.
Im Mittelpunkt standen verschiedene Möglichkeiten zur Elektrifizierung von Lastkraftwagen. Neben batterieelektrischen Fahrzeugen (BEV), Brennstoffzellenfahrzeugen (FCEV) und synthetischen Kraftstoffen ging Lüken insbesondere auf Electric Road Systems (ERS) ein. Diese ermöglichen die Stromversorgung von Lastkraftwagen während der Fahrt, beispielsweise über Oberleitungen und Stromabnehmer. Dadurch könnten die benötigte Batteriekapazität und die Anzahl der Ladepausen reduziert werden. Allerdings erfordert die Technologie eine entsprechende Straßeninfrastruktur und hohe Investitionen.
Während auf nationaler Ebene bisher nur einzelne Feldprojekte umgesetzt wurden, stellte Lüken mit „E-CORE“ eine Machbarkeitsstudie zur Einführung eines elektrifizierten Straßengüterverkehrskorridors von Budapest bis Rotterdam vor. Zudem nannte Lüken weitere mögliche Potenziale von ERS, darunter bidirektionales Laden und Rekuperation.
Ein weiterer Schwerpunkt des Vortrags war die Resilienz, also die Fähigkeit eines Systems, Störungen zu bewältigen und sich von ihnen zu erholen. Neben Kosten und Effizienz sollten Infrastrukturentscheidungen daher auch berücksichtigen, wie anfällig ein System für Krisen und Abhängigkeiten ist.
In der anschließenden Diskussion wurden unter anderem die Wirtschaftlichkeit elektrifizierter Autobahnen, die Konkurrenz zu batterieelektrischen Lastkraftwagen und mögliche Fördermaßnahmen thematisiert. Das Kolloquium zeigte, dass die Zukunft des Straßengüterverkehrs nicht allein von der technischen Machbarkeit abhängt, sondern auch von wirtschaftlichen Rahmenbedingungen und einer langfristig widerstandsfähigen Infrastruktur.
(Text: Laura Köpping, Studentin Verkehrssystemtechnik)
Den Einladungsaushang zur Veranstaltung finden Sie hier als PDF-Dokument. Die Vortragsfolien finden Sie hier.
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