41. Kolloquium: Maßnahmenorientiertes Umwelt-, Luftschadstoff- und Klima-Qualitätsmanagement im Straßenverkehr Berlins
Beim 41. Verkehrswissenschaftlichen Kolloquium am 6. Mai 2026 hielt Herr Dr. Andreas Kerschbaumer von der Berliner Senatsverwaltung für Mobilität, Verkehr, Klimaschutz und Umwelt (https://www.berlin.de/sen/uvk/) einen Vortrag zum Thema „Maßnahmenorientiertes Umwelt-, Luftschadstoff- und Klima-Qualitätsmanagement im Straßenverkehr Berlins“. Dr. Kerschbaumer arbeitet im Bereich Luftreinhaltung der Berliner Senatsverwaltung. Dort gehört es zu seinen Aufgaben, Luftwerte zu beobachten, zu bewerten und daraus Maßnahmen für Politik und Verwaltung abzuleiten. Inhaltlich beschäftigte sich der Vortrag mit der Frage, wie mit modernen Modellen aus Verkehrsdaten Umweltdaten wie Schadstoffbelastungen berechnet werden können, um Luftschadstoffe in Städten besser zu analysieren und geeignete Maßnahmen zur Luftreinhaltung zu entwickeln.
Dabei wurde deutlich, wie komplex die Zusammenhänge zwischen Verkehr und Umweltbelastung sind. Da die klassischen durch Verbrennungsprozesse ausgestoßenen Schadstoffe durch technische Innovation schon stark reduziert wurden, spielen inzwischen auch Brems- und Reifenabrieb, da diese nicht in einem ähnlichen Verhältnis reduziert werden konnten, eine große Rolle. Obwohl einzelne Fahrzeuge sauberer werden, werden durch steigende Verkehrsmengen weiterhin hohe Belastungen verursacht. Im Mittelpunkt des Vortrags stand das Projektmodell „MAUS“. Dieses Modellsystem soll Verkehr, Emissionen und Luftbelastungen miteinander verknüpfen und dadurch sowohl die aktuelle Situation als auch zukünftige Entwicklungen besser darstellen können. Ziel des Projekts ist es unter anderem, schneller und unabhängiger von externen Gutachten Entscheidungen treffen zu können. Außerdem soll die Planung stärker datenbasiert erfolgen. Hintergrund dafür sind die neuen EU-Luftqualitätsrichtlinien von 2024, deren strengere Grenzwerte ab 2030 gelten sollen. Laut Dr. Kerschbaumer zeigen aktuelle wissenschaftliche Erkenntnisse der WHO, dass bereits kleine Mengen an Luftschadstoffen gesundheitsschädlich sein können, weswegen die Richtlinien verschärft wurden.
Das System MAUS besteht aus drei Ebenen: Frontend, Backend und Datenbank. Über das Frontend erfolgt die Interaktion mit dem System, im Backend laufen die Berechnungen und Simulationen, während die Datenbank sämtliche Informationen speichert. Das Modell ist modular aufgebaut und soll später erweitert werden können. Besonders wichtig sind die beiden Bereiche „Monitoring“ und „Szenarien“. Das Monitoring bildet die aktuelle Verkehrslage und Umweltbelastung ab. Dafür werden zahlreiche Datenquellen genutzt, darunter Detektordaten (von bis zu 250 Messstationen in Berlin, GPS-Daten von Fahrzeugen, Wetterdaten, Daten von Luftmessstationen und Stadtstrukturdaten. Die Ergebnisse werden stündlich aktualisiert und liefern Informationen zu Verkehrsstärken, Stauanteilen, Emissionen und Immissionen. Das Szenarien-Modul dient dazu, zukünftige Entwicklungen zu simulieren. Mithilfe des Berliner Verkehrsmodells in der Software VISUM können unterschiedliche Maßnahmen getestet werden. Beispiele dafür sind eine City-Maut, Änderungen der Verkehrsführung, Parkraumbewirtschaftung oder die Umstellung von Fahrzeugflotten. Dadurch kann untersucht werden, welche Auswirkungen solche Maßnahmen auf Verkehr und Luftqualität hätten. Der Vortrag machte deutlich, wie wichtig digitale Modelle künftig für politische Entscheidungen und die Luftreinhaltung in Großstädten sein werden.
Insgesamt vermittelte die Veranstaltung einen sehr guten Einblick in die Verbindung von Verkehrswissenschaft, Umwelttechnik und politischer Planung und hat im Anschluss des Vortrages zu einer interessanten Diskussion geführt.
(Text: Luca Röpert, Student Verkehrssystemtechnik)
Den Einladungsaushang zur Veranstaltung finden Sie hier als PDF-Dokument. Die öffentlich freigegebenen Vortragsfolien finden Sie hier.
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