Mental Health an der TH Wildau: „Hilfe beginnt damit, einen Hilferuf wahrzunehmen“
IK

#THinsights

Interne News der TH Wildau

Zur #THinsights Startseite
  1. Sie sind hier:
  2. Hochschule
  3. Organisation und Struktur
  4. Zentrale Einrichtungen
  5. Zentrum für Hochschulkommunikation
  6. Interne Kommunikation
  7. THinsights
  8. Mental Health an der TH Wildau: „Hilfe beginnt damit, einen Hilferuf wahrzunehmen“

Mental Health an der TH Wildau: „Hilfe beginnt damit, einen Hilferuf wahrzunehmen“

Psychische Belastungen bei Hochschulangehörigen bleiben häufig unsichtbar – und stellen Lehrende, Kolleg*innen oder Mitstudierende vor besondere Herausforderungen. Im Interview berichtet Marketing-Professorin Sandra Haas, warum sie sich zusätzlich zur Lehr- und Prüfungstätigkeit als MHFA-Ersthelferin ausbilden ließ und welche Erfahrungen sie dabei geprägt haben. Sie erklärt, wie Erste Hilfe für psychische Gesundheit im Hochschulalltag funktioniert, und warum schon ein erstes Gespräch helfen kann. +++ Scroll down for English version +++

MHFA – das steht für Mental Health First Aid, also Erste Hilfe für mentale Gesundheit. An der TH Wildau ist sie Teil der Psychosozialen Beratung. Über das Angebot und Kontakmöglichkeiten wird hier informiert:

https://www.th-wildau.de/im-studium/psychosoziale-beratung/mhfa-mental-health-first-aid-an-der-th-wildau

Professor Sandra Haas ist eine von derzeit elf speziell geschulten MHFA-Ersthelfenden an der TH Wildau.

 

Frau Professor Haas, Sie sind bereits in Lehre und Forschung eingebunden. Was war Ihr persönlicher Beweggrund, sich zusätzlich als MHFA-Ersthelferin an der TH Wildau ausbilden zu lassen?

Es gibt nicht den einen „großen“ Beweggrund, sondern mehrere Erfahrungen und Situationen führten mich letztlich zur MHFA Ausbildung: Als Dozentin begleitete ich Studierende bei Studien- und Karriereentscheidungen, die sich auf persönliche Stärken und Potenziale sowie reflektierte Erfahrungen bezogen. Hier lernte ich von Studierenden viel über das, was außerhalb einer fachlichen Entwicklung bei ihnen „alles auf dem Tisch liegt“. Manche suchten mich als eine Art Vertrauenslehrerin auf und hier wollte ich mit schwierigeren Situationen professioneller umgehen können. Zudem bin ich Mitglied des Prüfungsausschusses. Üblicherweise treten Studierende in schwierigen Situationen und/oder mit psychischen Problemen auch an uns heran. In beiden Funktionen erlebte ich, dass die Hochschule damals nicht ausreichend auf psychische Krankheitsbilder vorbereitet war – dem wollte ich mit dem MHFA-Ersthelfer etwas entgegensetzen.

Viele kennen den klassischen Ersthelfenden-Kurs für Unfälle. Wie unterscheidet sich die „Erste Hilfe für psychische Gesundheit“ davon? Und welche Besonderheiten gibt es im Hochschulkontext?

Während man beim klassischen Ersthelfer-Kurs wirklich Hand anlegt und diverse Griffe übt, lernt man bei der MHFA-Ausbildung unglaublich viel über verschieden psychische Krankheitsbilder, ihre Häufigkeit und wie man für die Betroffenen eine erste Brücke bauen kann, um Hilfe in Anspruch zu nehmen. Im Hochschulkontext treten Besonderheiten im Umgang mit jungen Menschen auf, da manche Krankheitsbilder hier häufiger ausgeprägt sind (etwa Angststörungen, Ritzen). Das hat mit Umbrüchen und ihrer aktuellen Lebenssituation zu tun.

Muss es erst brennen, bevor man sich meldet? Wann ist der richtige Zeitpunkt, eine Ersthelferin oder einen Ersthelfer anzusprechen?

Nun, so ein Ersthelfer ist ja kein Bäcker, wo man Brötchen kauft. Hier geht es um Situationen, über die man leider immer noch zu wenig spricht oder die im Unterschied zu physischen Leiden stigmatisiert werden. Daher nehme ich als Lehrende eigentlich zuerst den Gesprächsbedarf wahr und gehe vorsichtig auf die Betroffenen zu. Wenn Studierende sich psychisch nicht wohl fühlen, können sie jederzeit auf Ersthelfer zugehen.

Psychische Belastungen sind oft unsichtbar. Mit welchen Anliegen oder Signalen kommen Menschen typischerweise auf Sie zu?

Gespräche ergaben sich bislang im Falle erlebter außergewöhnlicher Stresssituationen und Belastungen, Mobbing und Ängsten. Zum Teil treten Probleme auch in Beziehungen der Studierenden miteinander auf, etwa in Gruppenarbeiten.

So eine erste Hilfe ist sicher nur der Anfang und ersetzt keine Therapie - wie sieht Ihre Rolle konkret aus und wo endet Ihre Zuständigkeit?

Zunächst geht es erstmal darum, einen möglichen „Hilferuf“ überhaupt erst wahrzunehmen und die Betroffenen sensibel anzusprechen. Mein Anliegen ist es dann, Hilfe zur Selbsthilfe – also der Inanspruchnahme professioneller Hilfe - anzubieten. Meine Hilfe ist dann anhängig vom individuellen Bedarf und reicht von einer Ermutigung, Bereitstellung von Hilfsangeboten, persönliche Begleitung bis zum Loben und Anerkennen für gemachte Schritte.

Wie finden Studierende oder Kolleg*innen Sie im Ernstfall? Wie sind die Kontaktwege? Unterbrechen Sie Ihre Arbeit für die Hilfe, oder haben Sie sich Zeitfenster freigehalten?

Bislang kannte ich die Studierenden als Lehrperson und die Kontakte ergaben sich meist aus der Lehrsituation heraus. Ansonsten kann man mich per E-Mail oder Telefon erreichen. Eine Unterbrechung der Arbeit ist nur im akuten Ernstfall nötig. In dieser Situation befand ich mich noch nicht. Ansonsten versuche ich immer zeitnahe Termine anzubieten und gehe auf die Kommunikationswünsche der Studierenden (online, Telefon oder vor Ort) ein.

Als Ersthelferin nehmen Sie auch emotionale Lasten wahr. Wie gehen Sie selbst damit um, um Ihre eigene Resilienz zu wahren?

Mir persönlich helfen Gespräche mit anderen Ersthelfenden oder auch Kolleg*innen- natürlich auf anonymer Basis.

Wenn jemand gerade dieses Interview liest und sich unsicher ist, ob die eigenen Sorgen „schlimm genug“ für ein Gespräch sind – was möchten Sie dieser Person mitgeben?

Zunächst ist die Wahrnehmung von Sorgen und Problemen immer individuell – wie auch die Einstufung in „schlimm oder nicht schlimm“. Wenn man Sorgen hat, sollte man jemanden in seinem Umfeld haben, mit dem man die Sorgen teilt. Aus der gemeinsamen Betrachtung wird dann klar, um welche Sorgen es sich handelt, und wie schwerwiegend etwaige Umstände oder Probleme sind. Hier kann eine „neutrale“ Perspektive eines MHFA-Helfers wertvoll sein. Manchmal ist es aber auch so, dass nicht die Betroffenen selbst, sondern das Umfeld mögliche Probleme wahrnimmt. Auch hier kann ein Ersthelfer als erster Anlaufpunkt Unterstützung bieten. Kurzum- mit einem ersten Gespräch kann man nichts falsch machen.

English: ‘Help begins with recognising someone’s call for help’Bereich öffnenBereich schließen

Fachliche Ansprechperson


    Prof. Dr. rer. pol. Sandra Haas

Prof. Dr. rer. pol. Sandra Haas

Fachbereich Wirtschaft, Informatik, Recht

Tel.: +49 3375 508 550
Mail: sandra.haas@th-wildau.de
Web: https://www.th-wildau.de/sandra-haas/
Haus 100, Raum 303

Zum Profil


    Susanne Dettmann

Susanne Dettmann

Zentrum für Hochschulkommunikation
Infopoint Studienberatung, Mitglied des Gesamtpersonalrats, Beauftragte für das Betriebliche Eingliederungsmanagement, Infopoint Student Counselling, Member of the General Staff Council, Representative for operational integration management

Tel.: +49 3375 508 794
Mail: susanne.dettmann@th-wildau.de
Web: www.th-wildau.de/infopoint
Haus 21, Raum A105

Infopoint Studienberatung Mitglied des Gesamtpersonalrats Beauftragte für das Betriebliche Eingliederungsmanagement

Zum Profil

Redaktionelle Ansprechperson


    Bettina Rehmann

Bettina Rehmann

Zentrum für Hochschulkommunikation
Interne/Externe Kommunikation

Tel.: +49 3375 508 354
Mail: bettina.rehmann@th-wildau.de
Web: http:www.th-wildau.de/interne-kommunikation
Haus 21, Raum A102

Zum Profil