Gastvorlesung aus der Praxis: Dr. Markus Pelz stellt das europäische Zugsicherungssystem ETCS vor
Am 18.06.2026 begrüßten die Studierenden der Verkehrssystemtechnik im Rahmen des Moduls „IT im Verkehr 2“ einen hochkarätigen Gast, Dr.-Ing. Markus Pelz, Experte im Bereich der digitalen Bahnautomatisierung. Dr. Pelz ist seit vielen Jahren bei Siemens Mobility tätig, wo er maßgeblich an der Weiterentwicklung und Implementierung moderner Zugbeeinflussungssysteme arbeitet. Mit einem fundierten akademischen Hintergrund, der durch ein Studium an der Technischen Universität Dresden sowie eine Promotion zum Thema Eisenbahnwesen geprägt ist, verbindet er theoretisches Wissen mit jahrelanger praktischer Erfahrung in komplexen Infrastrukturprojekten.
Im Mittelpunkt der Veranstaltung stand das „European Train Control System“ (ETCS). Dr. Pelz erläuterte den Studierenden detailliert die europäische Zielstellung hinter dieser Harmonisierung. Die Notwendigkeit von ETCS ergibt sich aus den historisch gewachsenen, national sehr unterschiedlichen Zugsicherungssystemen, die den grenzüberschreitenden Bahnverkehr bislang durch technische Inkompatibilitäten und die Notwendigkeit kostspieliger Mehrsystem-Lokomotiven massiv erschwerten. Ziel ist es, durch eine europaweit einheitliche Zugsicherung die Interoperabilität zu fördern und den Schienenverkehr effizienter zu gestalten.
Ein besonderer Schwerpunkt der Lehrveranstaltung lag auf der technischen Architektur von ETCS. Dr. Pelz erklärte anschaulich die verschiedenen Ausbaustufen, die sogenannten „Level“. Während Level 1 auf punktueller Übertragung mittels Eurobalisen basiert, ermöglicht Level 2 eine kontinuierliche Übertragung über GSM-R und macht den Verzicht auf ortsfeste Signale möglich. Zudem wurde die hybride Zugdetektion (HTD) als Wegbereiter für virtuelle Blockabschnitte thematisiert, die das Potenzial hat, die Kapazität bestehender Infrastruktur ohne aufwendige physische Aufrüstung zu steigern. Neben den technischen Komponenten wie Balisen, Lineside Electronic Units (LEU) und Radio Block Centern (RBC) wurden auch die betrieblichen Abläufe erläutert, insbesondere die verschiedenen Betriebsarten („Modes“), die ein ETCS-Fahrzeuggerät einnehmen kann. Um die reine theoretische Erklärung auch anschaulich zu unterstützen, brachte Dr. Pelz einzelne Komponenten, die im Gleis oder auf dem Fahrzeug verbaut werden, mit. So konnten die Studierenden eine Balise aus nächster Nähe anschauen und das Innenleben genauer betrachten.
Abschließend gab Dr. Pelz einen spannenden Ausblick auf die Zukunft der Bahnhöfe und Strecken: „ATO over ETCS“. Die automatisierte Fahrt (Automatic Train Operation) erlaubt eine präzisere Einhaltung von Fahrplänen und durch das Ausnutzen der ETCS-Bremskurven eine Verdichtung der Zugfolgen. Damit unterstrich er, dass Digitalisierung im Bahnsektor weit über den Austausch von Hardware hinausgeht und vielmehr eine Optimierung des gesamten Fahrprofils darstellt. Wir danken Dr. Markus Pelz herzlich für diesen tiefen Einblick in die aktuellen Herausforderungen der Bahnautomatisierung und für die engagierte Diskussion mit den Studierenden.
(Text: Gustav Lenzer, Student Verkerssystemtechnik)