#42 Digitalisierung des Verkehrsnetzes in Wildau

42. Kolloquium: Digitalisierung des städtischen Verkehrsnetzes in der Hochschulstadt Wildau

Die Sammlung und Nutzung von Straßenverkehrsdaten ist in Deutschland nichts Neues. In urbanen Räumen sowie auf großen Kraftfahrstraßen und Autobahnen wird dies täglich praktiziert und mittels Verkehrsmanagementsystemen ausgewertet. Doch was ist mit den suburbanen Räumen? Wie sollen diese Verkehrsdaten in ihrem Zuständigkeitsbereich erfassen und auswerten und anhand dieser ihren Verkehr bewerten und Entscheidungen treffen? Sollen sie diese Aufgabe wie bisher auch künftig personell aufwendig und analog bearbeiten? Dieses Thema wurde im letzten Verkehrswissenschaftlichen Kolloquium des Sommersemesters 2026 am 17. Juni 2026 an der Technischen Hochschule Wildau unter der Überschrift "Digitalisierung des Verkehrsnetzes in Wildau" behandelt. Der Vortragende war Christian Seidel, wissenschaftlicher Mitarbeiter der Hochschule (https://www.th-wildau.de/studieren-weiterbilden/studiengaenge/verkehrssystemtechnik-b-eng/verkehrsmanagementlabor) und Geschäftsführer der Monitor4 GmbH (https://monitor4.com/), der auch einst an der Hochschule studierte und dort mit einem Bachelor of Engineering im Studiengang Telematik abschloss.

Das Thema des Vortrags war die Digitalisierung des städtischen Verkehrsnetzes in der Hochschulstadt Wildau. Laut Herrn Seidel ist die Stadt Wildau mit ihren etwa 10.000 Einwohnern und 9,11 km² Fläche ein beachtenswerter Ort in Brandenburg. Wenn man überlegt, dass die Stadt nur 1 % der Fläche von Berlin besitzt und dafür aber weniger als 0,25 % der Einwohner, dann macht das die Stadt laut Herrn Seidel sehr lebenswert. Durch die Autobahn in der Nähe, sowie den direkten S-Bahn-Anschluss neben der Hochschule ist die Stadt sehr gut an die regionalen und überregionalen Verkehrsnetze angebunden. In diesem Kontext stellt sich die Frage:  Wie funktioniert nun die Digitalisierung und inwieweit kann sie helfen, den Verkehr mitzugestalten?

Der Vortrag begann mit einem kurzen Vergleich der Verkehrsmanagementsysteme und der Aussage, dass im Vergleich zu den technisch gut ausgerüsteten Autobahnen kleinere suburbane Räume eher auf analoge Methoden zurückgreifen. Daraufhin wurde die zum Verkehrsmanagementlabor gehörende Lichtsignalanlage (LSA) auf dem Hochschulcampus vorgestellt, ein Projekt des Fachgebiets Verkehrssystemtechnik. Diese beobachtet den Verkehr auf dem Campus und sammelt Verkehrsdaten. Der Bürgermeister der Stadt Wildau war bei der Inbetriebnahme der LSA im Sommer 2024 dabei und fragte interessiert nach einem möglichen zusätzlichen Nutzen für die Stadt Wildau. Daraufhin konnte das Projekt „Wildigital“ ins Leben gerufen werden. Ein Fördermittelantrag sah für dieses Projekt vor, verschiedene Sensoranlagen in der gesamten Stadt verteilt aufzubauen. Damit soll der Verkehr erfasst und ausgewertet werden. Das soll den Modal Split verbessern, ein Reallabor für Studierende schaffen und die Verbindung zwischen Hochschule und Stadt verbessern. Die Bausteine dafür sind die kontinuierliche Erfassung der Verkehrsdaten, die Qualitätssicherung und Digitalisierung bzw. Archivierung. Das Projekt wurde bewilligt, läuft seit Ende 2025 und sollte in Kürze abgeschlossen werden. Doch dann kamen Bedenken im Zuge des Datenschutzes auf, denn es werden mit den Sensoren potentiell Daten mit Bezug zu Personen erfasst. Daher wurde die Installation der Sensoren zunächst pausiert um die einzusetzenden Technologien einer umfangreichen Datenschutzbetrachtung zu unterziehen. Vor etwa einer Woche gab es dann die endgültige Freigabe des Datenschutzbeauftragten der Hochschulstadt Wildau. Bislang konnten drei Sensoren an drei verschiedenen Standorten in der Stadt eingebaut werden. Diese messen jeweils entweder das Verkehrsaufkommen oder den Lärm innerhalb der Stadt.  Lärmpegel werden datenschutzkonform aufgrund der naheliegenden Autobahn und der Nähe zum Flughafen BER gemessen. Herr Seidel zeigte bereits erste Messergebnisse. Darin konnte man beispielsweise auch den verkehrsarmen Zeitraum während des Fußballspiels der deutschen Nationalmannschaft sehen. Das Projekt sieht vor, noch mehr dieser Anlagen in der Stadt zu errichten und ein vollkommenes digitales Bild der Verkehrslage von Wildau zu erhalten.

Im Anschluss an den Vortrag gab es eine interessante Diskussion. In dieser wurde auch die Nutzung durch die Studierenden und eine mögliche Aufnahme ins Curriculum besprochen. Insgesamt vermittelte die Veranstaltung eine Grundlage dafür, dass auch eine kleine Stadt in Brandenburg wie Wildau, ihre Verkehrsdaten quantifizieren und digitalisieren kann und somit einiges an Arbeit ersparen kann. Die Hochschulstadt Wildau kann nun also eine Vorbildfunktion für andere suburbane Räume übernehmen.

 

(Text: Christopher L. Stanior, Student Verkehrssystemtechnik)

 

Den Einladungsaushang zur Veranstaltung finden Sie hier als PDF-Dokument. Die Vortragsfolien finden Sie hier.

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