Gemeinsam stark für gesunde Führung: Brandenburger Hochschulen beim Multiplikatorenseminar im Spreewald
Am 11. und 12. Juni kamen Kanzler*innen, Personalleiter*innen, Referent*innen und Personalentwickler*innen mehrerer Brandenburger Hochschulen zu einem besonderen Gesundheitsseminar in Burg (Spreewald) zusammen. Im Mittelpunkt des hochschulübergreifenden Treffens standen die hochaktuellen und sensiblen Themen „Psychologische Sicherheit“ und „Positive Führung“. Das Treffen der „K-Runde“ im Netzwerk Gesunde Hochschulen Berlin-Brandenburg zeigte eindrucksvoll, wie intensiv und vertrauensvoll die Kooperation in der Region gelebt wird. +++ English version below +++
Ein außergewöhnlicher Austausch über sensible Themen
Hochschulen sind komplexe Organisationen, in denen Reformdruck, knappe Ressourcen und die Schnittstellen zwischen Wissenschaft und Verwaltung alltägliche Herausforderungen darstellen. Dass sich Führungskräfte und Personalverantwortliche von insgesamt vier Hochschulen – darunter der TH Wildau, der FH Potsdam, der Europa-Universität Viadrina und der Filmuniversität Babelsberg KONRAD WOLF – für ein mehrtägiges Seminar zu psychologischer Gesundheit zusammenfinden, ist ein echtes Novum.
Roland Aust, Kanzler der Filmuniversität Babelsberg KONRAD WOLF, betont die Besonderheit dieser Kooperation:
„Es ist ein bemerkenswertes und starkes Signal für die Brandenburger Hochschullandschaft, dass wir uns über die Grenzen der eigenen Institutionen hinweg vertrauensvoll über sensible Themen wie gesunde Führung und psychologische Gesundheit austauschen können. Dieser Blick über den jeweils eigenen Tellerrand bereichert uns alle ungemein und zeigt, dass wir vor ähnlichen Herausforderungen stehen – diese aber gemeinsam noch besser bewältigen können.“
Impulse für psychologische Sicherheit und positive Führung
Der erste Seminartag startete im Hotel „Spree Balance“ mit einem interaktiven Impuls-Workshop unter der Leitung von Dipl.-Psych. Andrea Ostermann-Brema. Die Teilnehmenden setzten sich intensiv mit den wissenschaftlichen Grundlagen des Gesunden Führens auseinander.
Dabei wurde deutlich: Führung und Gesundheit stehen in einem direkten, wechselseitigen Zusammenhang. Eine wertschätzende Führungskultur senkt nachweislich den Stresspegel im Team, erhöht die Resilienz und steigert langfristig die Motivation sowie die Identifikation mit der Hochschule. Die Führungskräfte lernten ganz konkret, äußere Anzeichen für psychische Belastungen auf den Ebenen Verhalten, Leistung und körperliche Signale rechtzeitig wahrzunehmen und einzuordnen.
Die Rolle der Führungskraft: Zwischen Fürsorgepflicht und Abgrenzung
Ein zentraler Schwerpunkt des Seminars widmete sich der Frage, wie weit die gesetzliche Fürsorgepflicht von Führungskräften im Umgang mit belasteten Mitarbeiter*innen reicht und wo eine professionelle Abgrenzung notwendig ist, denn beides erfordert gesundes Führen eine klare Balance.
Ideen und Anregungen für die Praxis
Neben dem theoretischen Input erhielten die Teilnehmenden praxisnahe Tools, um das Gelernte direkt in den Arbeitsalltag zu übersetzen:
- Job Crafting: Eine Methode, bei der Mitarbeitende im Dialog mit der Führungskraft ihre Aufgaben und Arbeitsbedingungen so anpassen, dass sie besser zu ihren persönlichen Stärken und Bedürfnissen passen.
- Appreciative Inquiry: Ein ressourcenorientierter Ansatz zur Analyse des Teamklimas. Statt Defizite zu fokussieren, wird ermittelt, was in der Vergangenheit gut funktioniert hat, um positive Veränderungsprozesse anzustoßen.
- Mikrointentionen: Kleine, konkret geplante Verhaltensänderungen im Führungsalltag (z. B. bewusste wöchentliche Check-ins mit Teammitgliedern), die ohne großen Zeitaufwand eine Kultur der psychologischen Sicherheit etablieren.
Nachhaltige Vernetzung und Zukunftsvisionen
Am zweiten Tag verlagerte sich der Fokus auf die strategische Weiterarbeit im „Netzwerk Gesunde Hochschule“ sowie auf den fachlichen Austausch mit Prof. Striemer. Ziel war es, die gewonnenen Erkenntnisse langfristig in den Hochschulstrukturen zu verankern und konkrete Mikrointentionen für den Führungsalltag mitzunehmen.
Kanzler Thomas Lehne zieht ein durchweg positives Fazit für die Zukunft:
„Für die TH Wildau nehmen wir wertvolle, praxisnahe Impulse mit. Gesunde Führung ist keine Frage der reinen persönlichen Belastbarkeit, sondern eine Kulturfrage. Wir wollen ein Umfeld schaffen, in dem sich Beschäftigte sicher fühlen, Herausforderungen offen anzusprechen. Das Seminar im Spreewald hat dafür ein stabiles Fundament gegossen und uns als Netzwerk noch enger zusammengeschweißt.“
Zum Abschluss des erfolgreichen Seminars versammelten sich alle zehn Teilnehmenden für ein Gruppenfoto im Grünen rund um einen traditionellen hölzernen Spreewald-Wagen – ein schönes Symbol für den gemeinsamen Weg, den die Brandenburger Hochschulen im Bereich des betrieblichen Gesundheitsmanagements weiter beschreiten wollen.
Dass der kollegiale Austausch dabei keineswegs trocken blieb, spiegeln auch die Eindrücke der Veranstaltung wider: Während in den Arbeitsphasen fokussierte und tiefgründige Zwiegespräche geführt wurden, war die allgemeine Stimmung in der Gruppe von einer spürbar gelösten, herzlichen und humorvollen Atmosphäre geprägt.
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