#40 Smarte Verkehrssteuerung in Würzburg

40. Kolloquium: Smarte Verkehrssteuerung in Würzburg – von intelligenter Technik zu effizientem Verkehr

Das 40. Verkehrswissenschaftliche Kolloquium Wildau fand am 22. April 2026 an der TH Wildau statt. Die Themen in diesem Semester stehen im Zeichen der neuen Studiengänge „Mobilität und Verwaltung“ und „Mobilität, Umwelt, Logistik“, mit den Schwerpunkten Straßenverkehr, Digitalisierung und Umwelt.

Zum Auftakt der Kolloquien im Sommersemester 2026 war Jörn Egbert von der Stadt Würzburg zu Gast. Dort arbeitet er im Bereich Verkehrssteuerung, der zur Fachabteilung Verkehrsmanagement (https://www.wuerzburg.de/themen/bauen-planen/tiefbau-verkehrswesen/verkplan) im Fachbereich Tiefbau und Verkehrswesen gehört. Er sprach zum Thema „Smarte Verkehrssteuerung in Würzburg: Von intelligenter Technik zu effizientem Verkehr“.

Herr Egbert gab einen Einblick in die kommunale Verkehrssteuerung und stellte dar, wie die Stadt Würzburg mit digitalen Systemen, Verkehrsdatenerhebung und intelligenter Lichtsignalsteuerung auf den aktuellen Straßenverkehr reagiert.

Der Vortrag begann mit der Einordnung der besonderen verkehrlichen Situation Würzburgs. Die Stadt zählt rund 130.000 Einwohnerinnen und Einwohner, ist aber auch Pendler- und Studierendenstadt und weist dadurch ein hohes Verkehrsaufkommen auf. Hinzu kommt der Durchgangsverkehr durch die Innenstadt, da Würzburg aufgrund seiner Lage zwischen A7 und A3 auch als Abkürzung zu einem Weg über die Autobahn genutzt wird. Dies führte über Jahre zu einer erhöhten Stickstoffdioxidbelastung, was eine zentrale Herausforderung darstellte. Laut Vortrag konnten die Werte in den vergangenen Jahren deutlich gesenkt werden, auch durch die Anstrengungen der Stadtverwaltung.

Ein Schwerpunkt des Vortrags lag auf dem umweltorientierten Verkehrs- und Mobilitätsmanagement (UVM). Das für die Stadt Würzburg entwickelte Modell hat die Aufgabe, mithilfe von Verkehrsdaten den Verkehrsfluss durch intelligente LSA-Schaltung zu optimieren und so die Umweltbelastung zu reduzieren. Dabei wurde verdeutlicht, dass smarte Lösungen auch eine Alternative zu teuren baulichen Maßnahmen sein können. Herr Egbert zeigte aber auch, dass das UVM-System zurzeit nur noch selten und dann punktuell eingesetzt wird, da sich das Verkehrsverhalten nach der Corona-Pandemie verändert hat.

Darüber hinaus wurden uns Ansätze zur Bus- und Feuerwehrbeschleunigung vorgestellt. Anhand der ersten Erprobungen wurde gezeigt, wie digitale Steuerung zur Priorisierung des öffentlichen Verkehrs und Einsatzfahrzeugen in das bestehende Verkehrsnetz eingebunden werden kann. Auch die Verkehrsdatenerhebung spielte eine wichtige Rolle. So wurden unter anderem Messstellen mit Seitenradar sowie Verfahren zur Erfassung von Durchgangsverkehr anhand von Bluetooth-Signalen thematisiert. Der Vortrag stellt damit deutlich dar, dass belastbare Daten eine zentrale Grundlage für wirksame Verkehrssteuerung sind.

Klar wurde aber auch, dass viele Maßnahmen von finanziellen, technischen oder organisatorischen Rahmenbedingungen abhängen. Dennoch zeigte das Beispiel der Stadt Würzburg, dass auch ohne große bauliche Eingriffe Verbesserungen möglich sind, auch für kleinere Großstädte.

In der anschließenden Diskussion zeigten die Teilnehmenden großes Interesse. Die Studierenden und Lehrenden stellten zahlreiche Fragen, sodass die Veranstaltung um rund 30 Minuten verlängert wurde. Der direkte Praxisbezug und das Einbeziehen der Teilnehmenden machte den Vortrag besonders interessant. Das Beispiel der Stadt Würzburg zeigte, dass Verkehrssteuerung nicht nur eine technische Aufgabe ist, sondern immer auch von lokalen Rahmenbedingungen, verfügbaren Daten, finanziellen Möglichkeiten und organisatorischen Entscheidungen abhängt.

 

(Text: Kim Noack, Student Verkehrssystemtechnik)

 

Den Einladungsaushang zur Veranstaltung finden Sie hier als PDF-Dokument. Die öffentlich freigegebenen Vortragsfolien finden Sie demnächst hier (Dateigröße xx MB).

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