Vom Leitsatz zur gelebten Praxis: TH Wildau setzt mit europäischem Umweltmanagement EMAS neue Maßstäbe in Brandenburg
Nachhaltigkeit ist an Hochschulen längst ein zentrales Thema. Doch wie lassen sich Absichten in messbare Erfolge verwandeln und glaubwürdig belegen? Die TH Wildau geht hier voran: Als eine der ersten Hochschulen in Brandenburg führt sie das anspruchsvolle europäische Umweltmanagementsystem EMAS (Eco-Management and Audit Scheme) ein. Damit wird die Hochschule zum ökologischen Vorreiter in der Region und verknüpft strategische Ziele mit konkretem geprüften Handeln auf dem eigenen Campus. +++ English version below +++
Was ist EMAS und warum geht die TH Wildau diesen Weg?
EMAS gilt weltweit als das am höchsten zertifizierte, freiwillige Umweltmanagementsystem der Europäischen Union. Im Gegensatz zu reinen Industrienormen wie der ISO 14001 geht EMAS einen entscheidenden Schritt weiter: Es fordert lückenlose Transparenz nach außen durch eine öffentlich zugängliche Umwelterklärung und setzt die strikte Einhaltung aller umweltrelevanten Gesetze voraus. Unabhängige, staatlich zugelassene Gutachter*innen prüfen die Daten direkt vor Ort.
Dr. Christine Avenarius, Nachhaltigkeitsmanagerin, betont den Stellenwert des Projekts: „Nachhaltigkeit ist für uns kein bloßes Lippenbekenntnis, sondern ein messbarer Auftrag. Mit EMAS schaffen wir die nötige Transparenz und Verlässlichkeit. Nur wenn wir unsere Verbräuche schwarz auf weiß kennen, können wir gezielt gegensteuern und unserer Vorbildfunktion als Hochschule für Angewandte Wissenschaften gerecht werden.“
Gleichzeitig dient EMAS als operativer Motor für das narrative Dach der Hochschule – den „Spielraum für Innovation“. Ob nachhaltige Wert(e)schöpfung, zukunftsorientierte Mobilität oder eine effektive (rechtssichere) Verwaltung: Die Leitsätze werden durch das System in die alltägliche Praxis übersetzt. Ein positiver Nebeneffekt: EMAS spart handfeste Ressourcen, senkt Haushaltskosten und verbessert die Position bei vielen staatlichen Förderprogrammen.
Der Campus in Zahlen: Eckdaten aus der UmwelterklärungBereich öffnenBereich schließen
Wie komplex dieses Unterfangen ist, zeigt ein Blick auf den Geltungsbereich der aktuellen Umwelterklärung, die den Berichtszeitraum von 2022 bis 2025 (Basisjahr 2022) umfasst. Betrachtet werden insgesamt acht Gebäude mit einer Campusfläche von fast 60.000 Quadratmetern, auf denen im Wintersemester 2025/2026 über 4.000 Hochschulmitglieder lernten, lehrten und arbeiteten.
Die konkreten Verbrauchsdaten für das Jahr 2025 verdeutlichen die Hebelwirkung:
- Stromverbrauch: rund 3,28 Millionen Kilowattstunden (inklusive PV-Eigenstrom). Der bezogene Strom is zu 100 Prozent Ökostrom.
- Erdgasverbrauch: rund 2,27 Millionen Kilowattstunden
- Frischwasser: 6.469 Kubikmeter
- Über alle Energieträger hinweg liegt der Anteil erneuerbarer Energien damit bei 59 Prozent. Der Erdgasverbrauch erklärt den verbleibenden Abstand zu 100 Prozent. Hier liegt der größte Hebel der kommenden Jahre.
Um die Ressourcennutzung kontinuierlich zu verbessern, wurden im Rahmen des Prozesses sechs strategische Umweltziele mit insgesamt rund 60 konkreten Maßnahmen definiert. Dazu gehören die Reduktion des Energieverbrauchs, die Förderung der Biodiversität und Klimaresilienz auf dem Campus, die Optimierung des Ressourceneinsatzes sowie die Reduzierung von Mobilitäts- und Schadstoffemissionen. Auch die Stärkung regionaler Kooperationen und der Ausbau von Nachhaltigkeitskompetenzen stehen im Fokus.
Sichtbare Projekte: Was läuft schon auf dem Campus?
EMAS ist in Wildau keine Zukunftsmusik, sondern bereits sichtbar. Auf Haus 15, Haus 100 und der Halle 17 wurden großflächige Photovoltaikanlagen installiert. Haus 16 zeigt, wie die Wärme- und Kältewende gelingen kann: Es wird über oberflächennahe Geothermie versorgt, während ein Gasbrenner nur noch zur Absicherung von Spitzenlasten dient. Das Sachgebiet Bauangelegenheit und Technische Dienste der TH Wildau kümmert sich auch um die Umstellung auf LED Beleuchtungen und die sukzessive Anschaffung von Messtechnik, um den Strom verbrauch zu prüfen.
Auch hinter den Kulissen tut sich viel: Das Hochschulrechenzentrum (HRZ) treibt das Thema GreenIT massiv voran. Durch optimierte Abschaltzeiten in den Randzeiten und am Wochenende sowie eine umfassende Server-Virtualisierung (700 virtuelle Maschinen laufen auf nur 12 physischen Servern) wurden jährliche Einsparungen von vielen tausend Euro identifiziert.
Im Bereich Mobilität setzen Initiativen wie der „Pedal Power Day“, regelmäßige Mobilitätsumfragen, eine hochschuleigene Mitfahr-App und das Deutschland-Ticket als Teil des Semestertickets für Studierende neue Impulse. Das Deutschlandjobticket kommt zum Herbst 2026. Zudem sorgt der Campus mit rund 14.700 Quadratmetern naturnahen Flächen für den Schutz der lokalen Biodiversität. Praktische Alltagstipps, etwa zu Nachhaltigkeit im Alltag oder ein CO₂-Rechner für die Reiseplanung, sind zudem gebündelt auf der Website unter th-wildau.de/nachhaltigkeit zu finden.
Kein Projekt von oben – Mitmachen ausdrücklich erwünscht!
Ein wesentlicher Erfolgsfaktor von EMAS ist, dass es sich nicht um ein reines „Top-down“-Projekt der Hochschulleitung handelt. Es ist ein lebendiger Beteiligungsprozess. Seit Sommer 2024 fanden elf dezentrale Workshops statt – unter anderem mit den Sachgebieten der Verwaltung, dem HRZ, den Laboringenieur*innen, dem Bibliotheksteam sowie den studentischen Gremien StuRa und StuPa. Großveranstaltungen wie „Präsidium Live“ im März 2025 nahmen die gesamte Hochschulöffentlichkeit mit.
Dazu sagt Dr. Christine Avenarius: „EMAS lebt vom Mitmachen. Die enorme Resonanz und das Engagement in unseren dezentralen Workshops haben gezeigt, wie viel Expertise und Motivation in unserer Hochschulgemeinschaft stecken. Ob Beschäftigte, Lehrende oder Studierende – Nachhaltigkeit wird an unserer Hochschule von den Menschen getragen, die den Campus täglich mit Leben füllen.“
Alle Hochschulangehörigen können sich weiterhin aktiv einbringen. Ideen können direkt bei der Stabsstelle Nachhaltigkeit, der AG Nachhaltigkeit oder über das zentrale Ideenmanagement eingereicht werden. Studierende haben zudem die Möglichkeit, im StuRa-Referat Nachhaltigkeit mitzuwirken oder ihre Bachelor- und Masterarbeiten über Campus-Nachhaltigkeitsthemen zu schreiben – die Stabsstelle vermittelt hierbei passende Fragestellungen. Auch kurze Hinweise zu defekter Beleuchtung oder ungenutzten Geräten helfen direkt beim Energiesparen.
Wer steht dahinter und wie geht es weiter?
Das operative Fundament bildet das EMAS-Team unter der Leitung von Kanzler Thomas Lehne, gemeinsam mit Dr. Christine Avenarius und der unterstützenden AG Nachhaltigkeit. Die Gesamtverantwortung für das System trägt die Hochschulleitung.
Der Fahrplan für die kommenden Monate steht fest: Nach der offiziellen Vor-Ort-Begutachtung durch einen externen Umweltgutachter am 1. Juni werden Verbesserungsvorschläge in die umfassende Umwelterklärung aufgenommen, die im Sommer 2026 veröffentlicht wird. Der der Prüfer wird auch das direkte Gespräch mit Mitgliedern aus allen Bereichen der Hochschule suchen. Im Herbst 2026 soll schließlich parallel die neue Nachhaltigkeitsstrategie der TH Wildau verabschiedet werden.
Nach erfolgreichem Audit folgt der offizielle Eintrag in das EMAS-Register – ein Meilenstein, der das nachhaltige Engagement der TH Wildau für alle sichtbar und jährlich überprüfbar besiegelt.
Fachliche Ansprechperson
Dr. Christine Avenarius
Präsidium
Nachhaltigkeitsmanagerin
Tel.: +49 3375 508 241
Mail: christine.avenarius@th-wildau.de
Web: https://www.th-wildau.de/hochschule/ueber-uns/nachhaltigkeit/
Haus 13, Raum 106
Die AG Nachhaltigkeit trifft sich jeden 2ten Mittwoch im Monat zwischen 15:00 und 16:30 Uhr in Raum 13-225 (hybrid) und ist offen für Interessierte.
Redaktionelle Ansprechperson
Sebastian Stoye
Zentrum für Hochschulkommunikation
Interne Kommunikation & Referent der Präsidentin
Tel.: +49 3375 508 340
Mobil-Tel.: +49 15679 158557
Mail: sebastian.stoye@th-wildau.de
Web: https://www.th-wildau.de/interne-kommunikation/
Haus 21, Raum A102
Präsidium: https://www.th-wildau.de/hochschule/praesidium